Bundeswehr reaktiviert Fliegerhorst Trollenhagen mit Heimatschutzbataillon
Bundeswehr reaktiviert Fliegerhorst Trollenhagen

Der Fliegerhorst Trollenhagen bei Neubrandenburg wird innerhalb der Bundeswehr wieder eine größere Rolle spielen. Bisher wurde Trollenhagen als Systemzentrum der Luftwaffe geführt, an dem nur wenige Soldaten stationiert waren. Nun wird der Standort offiziell reaktiviert.

Heimatschutzbataillon 141 mit 180 Dienstposten

Anlass ist der neue Wehrdienst, in dessen Rahmen neue Heimatschutzbataillone gebildet werden. Insgesamt sind es vier: in Leipzig, Merzig im Saarland, Münster und Trollenhagen. „Dort wird zum 1. Oktober das Heimatschutzbataillon 141 mit rund 180 Dienstposten aufgestellt werden“, sagte ein Sprecher des Heeres auf Anfrage des Nordkurier. In der Mehrzahl handle es sich dabei um Soldatinnen und Soldaten.

Weiter heißt es dazu: „Das Heimatschutzbataillon 141 wird die militärische Heimat von Reservistinnen und Reservisten aus Mecklenburg-Vorpommern und gibt diesen die Möglichkeit, heimatnah in der Territorialen Reserve eingeplant zu werden.“

Ausbau des Heimatschutzes

Die Bundeswehr baut ihren Heimatschutz seit Jahren aus und fasst dessen Aufgabe so zusammen: „Deutschland in Deutschland verteidigen.“ Im Verteidigungsfall sollen die Kräfte auf dem eigenen Territorium für Sicherheit sorgen und dafür, „dass Deutschland als logistische Drehscheibe der NATO reibungslos funktioniert“.

Dazu zähle der Objektschutz von verteidigungswichtiger Infrastruktur, also etwa von Flughäfen, Brücken, Bahnlinien, Energieanlagen oder digitalen Netzen. Aufgaben sind auch Drohnenabwehr, Ausbildung und Katastrophenhilfe. So können Heimatschutzkräfte bei der Bewältigung von Naturkatastrophen und Großschadensereignissen Amtshilfe leisten, wie sie im Grundgesetz geregelt ist.

In den Bataillonen sollen jene Soldaten eine Heimat finden, die sich im Rahmen des neuen Wehrdienstes für bis zu elf Monate verpflichten. Im Anschluss besteht die Möglichkeit, als Reservistin oder Reservist in der „Territorialen Reserve“ zu verbleiben.

Wieder als Bundeswehrstandort geführt

Die Gemeinde Trollenhagen wird mit dieser Aufwertung wieder als Bundeswehrstandort geführt. Die Zahl der Bundeswehrstandorte in Deutschland steigt damit auf 290.

Lange war diskutiert worden, die Fliegerhorst-Kaserne komplett zu schließen. Der eigentliche Fliegerhorst am nahen Flugplatz Trollenhagen war in den 1930er Jahren eingerichtet worden. Die militärische Nutzung setzte sich nach dem Zweiten Weltkrieg fort, bis die Luftwaffe den Fliegerhorst 2013 aufgab. Seitdem wird der Flugplatz nur noch zivil genutzt. Unregelmäßig steuert ihn die Luftwaffe trotzdem noch an, etwa für Landungsübungen des Militärtransporters Airbus A400M.

2019 stand dann zumindest fest, dass die Fliegerhorst-Kasernen erhalten bleiben. Damals zogen Kräfte des Organisationsbereiches „Cyber- und Informationsraum“ ein. Die Frage der Schließung war damit zunächst bis 2024 aufgeschoben worden und hatte sich mit der russischen Vollinvasion in der Ukraine schließlich erledigt.

Trollenhagen wurde zuletzt im „Bericht über Sachstand und Fortschritt der Strategischen Liegenschaftsreserve“ des Verteidigungsministeriums als sogenannte Moratoriumsliegenschaft geführt, kam also grundsätzlich zur Erweiterung infrage.

Im Bericht heißt es dazu: „Die verschärfte Sicherheitslage und das Ziel der Bundesregierung, die Bundeswehr zur konventionell stärksten und technologisch führenden Armee in Europa auszubauen, erfordert einen deutlichen materiellen und personellen Aufwuchs.“