Nach 309 Tagen ist die Herrenseebrücke in Waren wieder für den Verkehr freigegeben worden. Am Samstagvormittag durchschnitten Stadtpräsident Toralf Schnur, Professor Guido Bolle von der Hochschule Wismar, Bürgermeister Norbert Möller (SPD) und Max Herbers vom Ingenieurbüro MKP aus Hannover gemeinsam das Band. Rund 200 Bürger, Kommunalpolitiker, Verwaltungsmitarbeiter und Beteiligte waren zur Wiedereröffnung gekommen. Das Warener Blasorchester begleitete den Festakt musikalisch.
Lange Sperrung mit täglichen Umwegen
Seit dem 28. November des Vorjahres war die wichtige Verbindung über die Bahngleise gesperrt. Für die Menschen auf der Nordseite bedeutete das täglich Umwege. Zwei Schulen und zwei Kindertagesstätten waren ebenso betroffen wie Krankenhaus, Polizei und die Unternehmen in Waren Nord. Kinder der AWO-Kita „Kleine Weinbergschnecken“, der JuS-Kita „Tiefwarensee“ und der Arche-Schule hatten den Asphalt am Freitag zuvor mit Kreide bunt bemalt, um ihrer Freude über die Öffnung Ausdruck zu verleihen.
Bürgermeister Norbert Möller bezeichnete die damalige Sperrung nach eigener Aussage als eine der schwierigsten Entscheidungen seiner bisherigen Amtszeit. Mitarbeiter hatten ihn Ende November über die möglichen Risiken informiert. „Es war alternativlos“, sagte er rückblickend. Heute könne der langen Sperrung zumindest etwas Positives abgewonnen werden: „Wir haben jetzt Klarheit, was mit der Herrenseebrücke tatsächlich ist. Wir haben jetzt ein Zeitfenster gewonnen“, so Möller. Dieses solle genutzt werden, um die langfristige Anbindung der Nordseite zu planen.
Einschränkungen und Überwachung
Die Brücke kann vorerst weiter genutzt werden, allerdings mit Einschränkungen. Für Fahrzeuge über 3,5 Tonnen ist die Nutzung untersagt. Dass die Freigabe erst lange nach Bekanntwerden der positiven Ergebnisse Anfang September erfolgte, hatte zwei Gründe. Zunächst musste die Höhenkontrolle installiert werden. Eine bloße Beschilderung wäre nach Ansicht der Stadt unzureichend gewesen, um schwere Lastwagen zuverlässig fernzuhalten. „Wenn wir sie öffnen, dann so, dass wir möglichst auch ausschließen können, dass eben solche Fahrzeuge drüberfahren“, erklärte Norbert Möller.
Zugleich bleibt die Herrenseebrücke unter genauer Beobachtung. Für den Einbau der Messtechnik waren allein sieben nächtliche Sperrpausen der Bahn notwendig. Rund 1,6 Millionen Euro hat das Monitoring nach Angaben des Stadtchefs gekostet. Ziel ist es, die Brücke noch mehrere Jahre nutzen zu können und zugleich Zeit für die Planung einer dauerhaften Lösung zu gewinnen.
Teamarbeit und Ausweichstrecke
Norbert Möller dankte Stadtvertretung, Ingenieurbüros und beteiligten Behörden. Stadt, Straßenbauamt Neustrelitz und die Deutsche Bahn haben bei den Arbeiten eng zusammengewirkt. Für den Bürgermeister war die Wiedereröffnung deshalb auch das Ergebnis einer „super Teamarbeit“. Ferner versprach er, dass bereits im kommenden Jahr mit dem Bau der geplanten Ausweichstrecke über die Isenbahnstraat begonnen werden soll.
Wie wichtig die Verbindung im Alltag ist, zeigte sich unmittelbar nach dem Durchschneiden des Bandes. Nachdem die Absperrbaken beiseite geräumt waren, fuhr zunächst ein Polizeifahrzeug über die Brücke. Kurz darauf folgte ein Rettungswagen mit Blaulicht. Dann gehörte die Verbindung wieder den Warenern – und die ersten nutzten die Gelegenheit, nach zehn Monaten zu Fuß über ihre Herrenseebrücke zu gehen.