Speicherbrand in Alt Rehse: Ermittlungen wegen schwerer Brandstiftung
Speicherbrand Alt Rehse: Ermittlungen laufen

Zwei Wochen nach dem Brand eines umstrittenen Wohnspeichers in Alt Rehse suchen Polizei und Staatsanwaltschaft nach einem möglichen Brandstifter. Inzwischen wird wegen des Verdachts der schweren Brandstiftung ermittelt, teilte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Neubrandenburg dem Nordkurier auf Anfrage mit.

Ermittlungen wegen Brandstiftung

Das gehe aus den bisherigen Untersuchungen des Brandgutachters hervor, die aber noch nicht abgeschlossen sind. Unklar sei aber noch, ob das Feuer am späten Abend des 3. Oktobers fahrlässig oder vorsätzlich entstanden ist.

Bei dem Brand war die durch unzählige Plakate mit zum Teil beleidigenden Losungen gegen viele staatliche und gesellschaftliche Institutionen „verzierte“ Wohnscheune völlig zerstört worden. In der in diesem Gebäude eingerichteten Wohnung soll sich zur Tatzeit niemand aufgehalten haben. Zeugen hatten die Rettungsleitstelle an jenem Abend gegen 22.45 Uhr alarmiert. Das Gebäude brannte aber aus, der Schaden wird auf eine sechsstellige Summe geschätzt. Etliche Nachbarn blicken noch heute mit Schrecken auf die damalige Brandnacht.

Schwerer Verlust für das Dorf-Ensemble

Auch Bürgermeister Sven Flechner aus Penzlin steht vor einem Problem, wie er auf Nachfrage beschrieb: „Beim Speicher handelte es sich um ein dorfbildprägendes Gebäude. Er ist ein wichtiger Bestandteil des historischen Gutsensembles. Er ist denkmalgeschützt. Er steht am Ende der Sichtachse der Hauptstraße im Dorf. Der Radweg um den Tollensesee führt direkt an ihm vorbei, auch die Erschließungsstraße zum Wohngebiet ‚Gutshof'. Der Totalverlust ist natürlich vom Bauensemble für das Dorfbild ein schwerer Verlust“. Allerdings sei, so Flechner weiter, die Nutzung des Speichers in den letzten Jahren nicht unkritisch gewesen. „Der Eigentümer war mit seiner Plakatierung immer wieder Stein des Anstoßes für viele Besucher der Region gewesen, die mir regelmäßig ihren Unmut darüber kundtaten. Auch kam es zu Strafanzeigen.“

Auf die direkte Hilfe des Speicherbesitzers kann auch der Brandgutachter vorerst nicht bauen. Der 78-jährige streitlustige Eigentümer, der mit vielen Anwohnern und Behörden in der Region Penzlin im Dauerstreit liegt, hat ein handfestes Alibi: Er hat Ende September eine achtmonatige Freiheitsstrafe in einem Gefängnis in MV angetreten. Dennoch sei er als Eigentümer, so Sven Flechner, verpflichtet, sich um sein Eigentum zu kümmern. Die Haft erschwere dies sicher, entbinde ihn aber nicht von seiner Pflicht. Nun müsse er natürlich unter diesen Bedingungen Dritte damit beauftragen.

Zwangsversteigerung und Sicherung der Ruine

„Bereits unmittelbar vor dem Brand hat die Stadt Penzlin wegen offener Forderungen ein Zwangsversteigerungsverfahren beim zuständigen Amtsgericht beantragt. Der Untergang des Gebäudes durch den Brand hat Auswirkungen auf die Verwertung des Objektes. Das ist natürlich schade“, betonte der Bürgermeister. Die Brandruine werde über den Landkreis mit einem Bauzaun gesichert werden, so der Penzliner Bürgermeister.

Der Speicherbesitzer, der sich selbst einen „Hardcore-Buddhisten" nennt, wurde wegen Angriffs und Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte zu acht Monaten Haft verurteilt. Er legte dagegen zwar Rechtsmittel ein, scheiterte damit aber zweimal vor höheren Gerichten. Auch die Berufungskammer am Landgericht Neubrandenburg sah „überhaupt keine positive Sozialprognose“ für den als „notorisch streitbekannten“ Senior.

Nach Informationen des Nordkurier sollte ein Bekannter des Eigentümers ab und an in dem Gebäude nach dem Rechten sehen. Inzwischen soll es bereits weitere Ermittlungsverfahren wegen neuer Beleidigungen gegen den 78-Jährigen geben.