Kriegsveteran Wolf-Dietrich Kroll: 99-Jähriger warnt in Torgelow vor dem Krieg
99-Jähriger Kriegsveteran warnt in Torgelow vor dem Krieg

Der 99-jährige Weltkriegsveteran Wolf-Dietrich Kroll hat in Torgelow über seine Erlebnisse im Zweiten Weltkrieg gesprochen und nachfolgende Generationen vor dem Krieg gewarnt. Er kam mit seinem Neffen Michael Schmal aus Ueckermünde zur Vorführung des Films „Warum ich – Wolf D. Kroll“.

Begegnungen mit der Geschichte

Zwei Kinder, zehn und elf Jahre alt, stellten sich für ein Foto neben Kroll. Er lächelte und sagte zur Mutter: „Dann haben sie jetzt 120 Jahre Geschichte auf einem Foto.“ Knapp 1,60 Meter groß, stand er aufrecht zwischen den Menschen, die ihn nach der Filmvorführung umringten. Er trug eine Strickjacke über einem bunt gemusterten Oberhemd, die schwarzen Schuhe glänzten. Inzwischen geht er am Stock, der Blick aber ist klar, die Stimme leise und fest.

Ältere Besucher stellten ihm Fragen, die ihnen ihre eigenen Väter nach dem Krieg nie beantwortet hatten. Junge Menschen wollten wissen, was von einem Krieg nach mehr als acht Jahrzehnten bleibt.

Erinnerungen an den Krieg

Kroll war 17 Jahre alt, als er in den letzten Wochen des Zweiten Weltkriegs im Oderbruch eingesetzt wurde. Als Gefreiter des Fallschirmjäger-Regiments 27 erlebte er die Kämpfe um die Seelower Höhen und den sowjetischen Vorstoß auf Berlin. Er erinnert sich an Kameraden, die unmittelbar neben ihm starben. Eben habe er noch mit einem gesprochen, plötzlich kam keine Antwort mehr – eine Kugel hatte ihn getroffen.

Kroll überlebte. Warum ausgerechnet er, diese Frage beschäftigt ihn bis heute und gab dem Film seinen Titel: „Warum ich“. Dass er selbst offenbar nur knapp davonkam, bemerkte er erst zu Hause in Schwerin. Als er bei seiner Mutter das Hemd auszog, entdeckte sie einen Blutfleck auf seinem Unterhemd am Rücken. Bei späteren Untersuchungen stellte sich heraus, dass ein Granatsplitter in seinem Körper steckte. „Den habe ich bis heute“, sagt er.

Der Krieg kommt nachts zurück

Auf die Frage, ob man mit solchen Erlebnissen abschließen könne, antwortete Kroll: „Das, was ich erlebt habe, vergisst man nicht.“ Lange habe er darüber weder sprechen können noch wollen. „Ich träume heute noch nachts davon“, erzählte er. Er wache auf und schrecke hoch. Das Erlebte habe sich so tief festgesetzt, „dass man das überhaupt nicht vergessen kann“.

Viele Jahre ging Kroll in Schulen und erzählte Jugendlichen davon. Er wollte ihnen vermitteln, „wie schlimm ein Krieg ist“. Inzwischen macht er das kaum noch. Mit 99 sagt er: „Ich bin jetzt in meinem Alter so weit, dass ich sagen kann: Jetzt ist es genug.“

Botschaft an junge Menschen

Ein Vater fragte nach einer Botschaft für seinen 19-jährigen Sohn. Kroll antwortete: „Tretet für den Frieden ein, nie für den Krieg. Der Krieg ist das Schlimmste, was es gibt.“ Deutschland lebe seit mehr als 80 Jahren in Frieden und Ruhe. „Und hoffentlich bleibt das noch 80 Jahre weiter so.“ Auf die Frage, ob er befürchtet, dass ein Krieg Deutschland erfassen könnte, antwortete er: „Wenn wir nicht aufpassen, sind wir mitten im 3. Weltkrieg.“

Wer Kroll im Internet sucht, stößt schnell auf Beiträge des Magazins „Compact“, das ausführlich über ihn und den Film berichtet hat. Seine Erinnerungen wurden aber auch vom „Spiegel“, der Deutschen Presse-Agentur und dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge aufgegriffen. Kroll lebte bereits als Kind in Schwerin und war nach dem Krieg nach eigenen Angaben viele Jahre bei der Berliner Polizei.

Wie ein Popstar

Nach der Diskussion stand Kroll fast wie ein Popstar für Fotos und Selfies bereit, signierte T-Shirts und Beutel. Begleitet wurde er von seinem Neffen Michael Schmal, dem Sohn einer seiner sieben Schwestern. Vor allem junge Besucher suchten den Kontakt, hörten zu, stellten Fragen und wollten Fotos. Dann standen wieder die beiden Kinder neben ihm – der 99-Jährige, der noch immer einen Granatsplitter des Zweiten Weltkriegs im Körper trägt, lächelte in die Kamera.