In Neuhaus und Stapel werden ehemalige Dorfkneipen zu Wohnungen, Büros und Festsälen umgestaltet. Während die Gasthöfe „Zur Börse“ und „Zur Krone“ neue Nutzungen erhalten, steht das Hotel Hannover in Neuhaus zum Verkauf.
Vom Schankraum zur Wohnung
Die kleine Kneipe im Dorf ist für viele Menschen auf dem Land nur noch eine romantische Erinnerung an vergangene Zeiten. Wo einst in der Krone, der Börse, dem Lindenkrug oder dem Goldenen Stern gemütliche Runden saßen oder Feste in großen Sälen gefeiert wurden, ist mit dem Verlust der meist kultigen Wirte Ruhe eingekehrt. Die letzten Bauernfrühstücke haben die Küchen verlassen, die letzten Biere wurden gezapft.
Doch was geschieht mit den Gebäuden, die einst für Geselligkeit standen? Neue Vorgaben bei Brandschutz und Hygiene machen es neuen Besitzern fast unmöglich, die Kneipe weiterzuführen, selbst wenn der Wunsch groß ist, die Wirtschaft zu betreiben. Ein Abriss ist jedoch nicht zwangsläufig nötig. In den Dörfern stehen viele Kneipen leer, aber es gibt auch Versuche, den Kult in seiner Substanz zu erhalten.
Neue Konzepte für Traditionsgasthöfe
Der Gasthof „Zur Börse“ in Neuhaus diente dem ZDF bereits als Motiv für einen Abendfilm. Die jahrzehntelange Wirtin Hildegard Schweinsberg, die mit über 90 Jahren verstorben ist, hatte den Verkauf noch vorangetrieben. Nun soll das Gebäude für altersgerechtes Wohnen aufbereitet werden. Bis zum Ende des Jahres sei man auf einem guten Weg, teilt Marcus Dittmer von der Firma Holzhandwerk Dittmer mit, die die „Börse“ erworben hat. Der bekannte Schankraum der Kneipe soll erhalten bleiben.
In Stapel, einem Nachbarort von Neuhaus, hat der Malermeister Bernd Benthien den Gasthof „Zur Krone“ erworben. Der große Saal wurde renoviert und diente bereits wieder als Ort für Feste. Über 300 Menschen fanden dort Platz bei einer Veranstaltung zur Vorstellung der Bürgermeisterkandidaten für die Gemeinde Amt Neuhaus. Aus dem Schild „Zur Krone“ ist aus Reminiszenz an den letzten Wirt „Alfred“ geworden. Geplant sind neben dem Saal auch Wohnungen und ein moderner Co-Working-Space mit Büros auf Zeit. Das Bier zum Feierabend muss man sich selbst mitbringen, aber der Ort mit seiner Geschichte bleibt bestehen.
Hotel Hannover sucht Käufer
Das Hotel Hannover in Neuhaus wirft in Ort und Gemeinde Fragen auf. In einem Immobilienportal steht der Komplex mit Ursprüngen im Ende des 19. Jahrhunderts für 339.000 Euro zum Verkauf. In der Beschreibung heißt es: „Bis 2013 wurde das Hotel erfolgreich familiengeführt und ist derzeit bis Ende 2027 verpachtet.“ Die Makler bezeichnen es als „eine traditionsreiche Hotelimmobilie mit vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten, bestehendem Pachtverhältnis und hervorragendem Potenzial für die Zukunft – eine seltene Investitionsmöglichkeit in der Elbtalaue.“ Noch wird hier Bier für Gäste gezapft und gekocht, doch die Zeichen stehen auch hier auf Veränderung.