Die Unzufriedenheit unter Bahnpendlern in und um Ludwigslust wächst. Wer regelmäßig die Fernzugverbindungen zwischen Berlin und Hamburg nutzt, erlebt seit Wochen enorme Verspätungen. Statt besser sei es nach der Streckensanierung und der monatelangen Sperrung schlimmer geworden, berichten Betroffene. Verspätungen von einer Stunde und mehr seien keine Seltenheit. Viele Pendler kommen zu dem Schluss: Auf die Bahn auf dieser Linie ist kein Verlass mehr.
Elternzug hält nicht in Ludwigslust
Die Beschwerden erreichen auch die Stadt Ludwigslust, die regelmäßig Kontakt zu Hunderten Pendlern hat. Am 14. Dezember tritt der neue Fahrplan der Deutschen Bahn in Kraft, über den auch die Stadt informiert wurde. Ein zentrales Versprechen wird dabei nicht eingehalten: die Wiedereinführung des sogenannten Elternzuges. Dieser Zug sollte am frühen Nachmittag in Hamburg starten und in Ludwigslust halten. Zwar gibt es den Zug, doch er hält nur in Wittenberge.
Für Eltern, die in Hamburg arbeiten und ihre Kinder pünktlich abholen wollen, wäre diese Verbindung wichtig. Bürgermeister Stefan Pinnow sagt: „Es wäre schon von Vorteil, wenn wir diese wichtige Verbindung bekommen würden. Doch nicht zum ersten Mal bekommen wir bei der Bahn keine Auskunft dazu. Bezüglich der Verspätungen haben wir jedoch Rückmeldungen von der Bahn erhalten und auch weitergeleitet.“
Keine Gespräche mit der Bahn
Die Stadt bemüht sich laut Pinnow seit Langem um Gespräche zum Fahrplan, erhält aber keine Antwort zu den Zuständen auf der Bahnlinie. „Dabei sind wir mit der Zahl der geplanten Halte in Ludwigslust eigentlich zufrieden. In vielen Bereichen des Tages erreichen wir ja den Stundentakt. Uns ist auch klar, dass es bei den Halten der Fernzüge zwischen Ludwigslust und Wittenberge ausgewogen zugehen muss. Ich bin da mit dem Bürgermeister aus Wittenberge auch in gutem Gespräch. Nur von der Bahn hören wir nichts, der Frust der Pendler kommt bei uns an. Wir hatten bisher nie die Chance, mit der Bahn richtig ins Gespräch zu kommen.“
Das Wirtschaftsministerium in Schwerin ist inzwischen eingebunden. Sollte die Bahn nicht auf die Beschwerden und Planungsanfragen reagieren, will sich Pinnow an Alexander Kaczmarek wenden, den zuständigen Konzernbevollmächtigten der Deutschen Bahn.
Regionalverkehr leidet mit
Die Probleme im Fernverkehr sind nur ein Teil des Ganzen. Durch die erheblichen Verspätungen der Fernzüge wird auch der Regionalverkehr immer wieder stark beeinträchtigt. Regionalzüge müssen oft auf verspätete Fernzüge warten und können ihre Fahrpläne nicht einhalten. Reisende verlieren dadurch ihre Anschlusszüge. Das bestätigt auch Rico Reichelt, Bürgermeister der Stadt Boizenburg: „So viele Male sind wegen der Verspätungen Menschen auf unserem Bahnhof gestrandet. Die Bahnverbindungen müssen einfach zuverlässiger werden, damit auch mehr Menschen sie nutzen können.“