Boden in Vellahner Kirche abgesackt: Hohlräume entdeckt
Boden in Vellahner Kirche abgesackt: Hohlräume entdeckt

In der Kirche von Vellahn ist der Boden im Chorraum abgesackt. Pastor Christian Lange von der Kirchengemeinde Vellahn-Pritzier zeigt sich besorgt, denn der Bereich zwischen Altar und Gemeinde ist der Ort, an dem er predigt und bei kirchlichen Feiern die größte Belastung liegt. „Seit ich weiß, dass der Boden wahrscheinlich schon seit längerer Zeit nur durch die Bodenfliesen gehalten wird, bin ich wirklich dankbar, dass noch nichts passiert ist“, erzählt Lange.

Metertiefer Hohlraum bei Reparatur entdeckt

Eigentlich wollte der Pastor nur ein paar lose Fliesen befestigen lassen. Doch der Handwerker stellte beim Aufnehmen des Fußbodens fest, dass der Boden darunter abgesackt war. „Da kam ein metertiefer Hohlraum zum Vorschein“, erinnert sich Lange. Da auch andere Stellen im Chorraum abgesackt wirkten, ließ er die Sache von Experten untersuchen.

Rüdiger Liedke, Baubeauftragter der Propstei Parchim, und Statiker Holger Haker prüfen den Boden mit einer leichten Rammsonde, dem sogenannten Künzelstab. Anhand der Schlagzahl und der Eindringtiefe lässt sich die Bodenbeschaffenheit errechnen. „Je kürzer das Stück ist, mit dem der Stab in den Boden eindringt, desto fester ist der Boden. Hier rutscht der Stab bei einem Schlag bisweilen gleich einen Meter tiefer, das zeigt uns, dass hier viele Hohlräume sind“, erläutert Haker.

Jahrhundertealte Gräber als mögliche Ursache

Der Experte vermutet, dass die Hohlräume durch jahrhundertealte, nicht erfasste Gräber entstanden sind. „Früher wurden Menschen in der Kirche beerdigt, und das wurde nicht immer dokumentiert“, macht Haker deutlich. Die Kirche in Vellahn wurde 1883 auf dem Standort einer mittelalterlichen Kirche errichtet, die 1194 erstmals urkundlich erwähnt wurde. 1881 wurde der turmlose Bau wegen Baufälligkeit abgerissen und durch das heutige Gotteshaus ersetzt.

„Da kann sich die Bodenbeschaffenheit über die Jahrhunderte schon verändern“, erläutert Haker. Er geht jedoch nicht davon aus, dass die Hohlräume auf eine Gruft oder ein prunkvolleres Grabmahl hindeuten. „Solche Bauwerke sind zwar auch nicht immer dokumentiert, aber dann findet man einen Fußboden, und das ist hier nicht der Fall“, erklärt der Statiker. Nun muss er gemeinsam mit Rüdiger Liedke feststellen, wie weit die Hohlräume reichen und was das für die Nutzung der Kirche bedeutet.

Veranstaltungen vorerst gesichert

Für Christian Lange ist das eine wichtige Frage, denn die meisten geplanten Veranstaltungen finden normalerweise im Chorraum statt. „Wir haben die Veranstaltungen, unter anderem die Hubertusmesse am 7. November, zunächst mal so umgestaltet, dass der Chorraum frei bleibt“, berichtet er. Nach Abschluss der Untersuchungen können die Experten vorläufige Entwarnung geben.

„Der Boden kann wahrscheinlich bis zum 1. Advent so verfüllt werden, dass unser Adventsmarkt auf dem Kirchberg und das Konzert von Vocapella in der Kirche stattfinden können“, kann Christian Lange noch am Abend der Untersuchung berichten. Die dauerhafte Sanierung des Bodens erfordert eine größere Baumaßnahme, für die zunächst finanzielle Mittel und kirchenbauliche Ressourcen aufgebracht werden müssen. Sie kann wahrscheinlich erst 2028 umgesetzt werden.