Die Diebstahlserie von Friedhofsräubern ist aufgeklärt, doch die Bronzeskulptur „Der Ruf der Amsel“ aus Mirow bleibt verschwunden. Der Inselverein hat die Hoffnung aufgegeben.
Diebstahl auf der Schlossinsel
Immer wieder haben Diebe es auf Kunst im öffentlichen Raum abgesehen. Das bekam auch der Inselverein in Mirow schmerzlich zu spüren. Im Herbst 2023 verschwand die Bronzeskulptur „Der Ruf der Amsel“. Der Verein hatte sie von der Künstlerin Dorothee Rätsch erworben und, wie andere Kunstobjekte auch, auf dem Inselwall in Mirow aufgestellt.
Rückschlag für den Verein
Der Diebstahl löste große Empörung aus. Er war nicht der erste Rückschlag für das Vorhaben des Inselvereins, in der Stadt eine Kunstmeile zu installieren. Einige der Kunstwerke waren bereits Vandalismus zum Opfer gefallen.
Der Kunstraub ließ die Vereinsmitglieder daran zweifeln, ob sie ihr Projekt weiterführen sollen. Die Erlöse der Kunstmärkte, die der Verein zweimal jährlich in Mirow veranstaltet, flossen bis dahin in Kunst für die Öffentlichkeit. Auf diese Weise war im Laufe der Zeit eine Plastikgalerie auf dem Inselwall entstanden.
Ermittlungen eingestellt
Die Staatsanwaltschaft Neubrandenburg stellte ein Jahr nach dem Raub die Ermittlungen ein. Die Enttäuschung im Verein war groß, wie Christa Grählert berichtet. Im Mai 2025 blitzte jedoch erneut ein Hoffnungsschimmer auf, die geraubte Skulptur zurückzubekommen. Vereinsvorsitzende Christa Grählert hatte einen Anruf der Rostocker Polizei erhalten. Bei Razzien in mehreren Bundesländern – darunter auch Mecklenburg-Vorpommern – waren zahlreiche Kunstwerke entdeckt worden, die offenbar aus Friedhöfen und Parks stammten. Ob auch der „Ruf der Amsel“ zum beschlagnahmten Diebesgut gehört, das wollte die Polizei anhand von Fotos ermitteln.
Diebespaar vor Gericht
Seit Frühsommer mussten sich in Berlin ein Demminer Rentnerehepaar und ein Mann aus Berlin vor dem Landgericht Berlin für eine spektakuläre Diebstahl-Serie verantworten. Über Jahre hatte das Paar auf Friedhöfen und in Parks Bronzeplastiken, Zaunteile, Skulpturen und Reliefs gestohlen, die der Berliner Hehler verkaufen wollte. Beide wurden vor wenigen Tagen zu Haftstrafen von jeweils rund vier Jahren verurteilt.
Seit 2010 hatten die beiden Dutzende Diebstahls-Touren unternommen. Ein Großteil der sichergestellten Beute konnte laut Medienberichten mittlerweile den Besitzern zugeordnet werden. Für 27 Figuren, die bei den Durchsuchungen sichergestellt wurden, sucht die Berliner Polizei noch die Eigentümer.
Mirower Skulptur Teil der Beute?
Christa Grählert und der Mirower Inselverein hofften, dass Dorothee Rätsch’ Bronzearbeit „Der Ruf der Amsel“ unter den noch nicht zugeordneten 27 Figuren ist. Lange hörten sie nichts von der Polizei. „Ich hatte, wie gefordert, Fotos der Figur hingeschickt und das war’s“, sagt die Vereinsvorsitzende.
Kürzlich kam jedoch die enttäuschende Information, dass die gestohlene Bronzefigur von Dorothea Rätsch nicht unter dem Diebesgut gefunden wurde. „Das ist schade. Und es wird immer unwahrscheinlicher, dass die Skulptur wieder auftaucht“, schätzt Christa Grählert ein.
Geld geht jetzt an Musikschule
Ohnehin hat sich der Verein von der Idee verabschiedet, die Skulpturengalerie in Mirow weiterzubetreiben. „Wir kaufen keine neuen Kunstwerke an, sondern spenden stattdessen für die Musikschule und den Erwerb eines Konzertflügels für die Stadt“, sagt die Vereinsvorsitzende.