In der Bungalowsiedlung am Canower See wehren sich Mieter gegen die Kündigung durch die neuen Besitzer. Cornelia Senftleben und Jens Gallinge klagten gegen die Kündigung und erhielten vor Gericht Recht. Sie dürfen in ihrem Bungalow bleiben.
Langes Wohnen in der Grauzone
Cornelia Senftleben und Jens Gallinge wohnen seit 2013 dauerhaft in ihrem Bungalow. Die damaligen Besitzer hatten den Mietvertrag um eine Klausel ergänzt, die das dauerhafte Wohnen erlaubte. Ohne diese Regelung hätte das Paar wohl nicht so viel Geld und Arbeit in den typischen DDR-Bungalow gesteckt. Normalerweise besteht in Erholungsgebieten wie der Bungalowsiedlung am Canower See kein Recht auf dauerhaftes Wohnen. „Das ist eine Grauzone“, gibt Jens Gallinge zu.
Cornelias Bruder Matthias wohnt seit einigen Jahren ebenfalls in der Bungalowsiedlung. Der 73-Jährige ist auf Hilfe angewiesen. Nach dem Tod der Eltern übernahm Cornelia Senftleben die Verantwortung für ihren Bruder. Während die meisten anderen der gut 80 Bungalow-Mieter die Kündigung durch die neuen Besitzer akzeptierten, zogen Senftleben und Gallinge vor Gericht.
Kampf gegen die Kündigung
Die Zeit bis zur Urteilsverkündigung kam ihnen wie ein Hausbesetzer-Dasein vor. „Wir haben mit angesehen, wie immer mehr Nachbarn den Platz verließen und Baufahrzeuge anrückten. Wir wollten uns nicht vertreiben lassen“, sagt Jens Gallinge. Zumal das Paar viel in ihr Heim investiert hatte. Andere Mieter, die die Kündigung hinnahmen, erlitten dadurch einen finanziellen Verlust. „Niemandem wurde eine Entschädigung angeboten“, sagt Gallinge.
Die Zeit seit dem Besitzerwechsel sei für alle zermürbend gewesen. „So geht man nicht mit Mietern um“, sagt er. Dabei hätten sich die neuen Eigentümer – die „Für Freunde Immobilien GmbH“ – anfangs mit sehr warmen Worten bei den Mietern vorgestellt. Das war 2023. „Ein Jahr nach dem Begrüßungsbrief hatten wir alle unsere Kündigung“, sagt Cornelia Senftleben.
Bruder benötigt Betreuung
Die gerichtliche Auseinandersetzung ist zugunsten von Cornelia Senftleben und Jens Gallinge ausgegangen. Sie können bleiben. Cornelia Senftlebens Bruder hingegen musste seinen Bungalow räumen. Doch wohin? „Er ist auf unsere Betreuung angewiesen, hat hier sein gewohntes Umfeld“, sagt Cornelia Senftleben. Vorerst gibt es eine Lösung: Nachbar Daniel Bader hat seinen Bungalow als Bleibe angeboten. Auch er hat den Rechtsstreit mit den neuen Vermietern aufgenommen und klagt gegen die Kündigung.
Ungleicher Kampf vor Gericht
Jetzt standen sich die beiden Parteien im Warener Amtsgericht gegenüber. „Das ist ein ungleicher Kampf“, machte Bader im Vorfeld deutlich. Seine Gegner seien finanzkräftige Investoren. „Für sie ist unser Glücksort nur ein lukratives Renditeobjekt für Wellness-Retreats und teure Airbnb-Tiny-Houses“, gab er auf einer bekannten Crowdfunding-Plattform zu verstehen. „Mit den Spenden möchten wir den juristischen Kampf um den Erhalt unseres Zuhauses finanzieren und, falls dieser Ort für uns verloren gehen sollte, einen neuen, sicheren Ersatzgarten für unsere Kinder schaffen“, heißt es da.
Richter Jörg Schiller machte gleich zu Beginn der Verhandlung klar, dass bei diesem Termin kein Urteil zu erwarten sei und es jetzt lediglich darum gehe, dass die Parteien ihre Positionen austauschen. Und er schickte voraus: Da das Ferienhaus am Canower See ausschließlich Erholungszwecken dient, könne der Kündigungsschutz nicht wie bei Wohnobjekten zur Anwendung kommen.
Der Anwalt der Gegenpartei verwies darauf, dass es im Mietvertrag, den der Vorbesitzer geschlossen hat, auch keine Klausel zur dauerhaften Nutzung des Bungalows gibt – wie im Fall der Nachbarin Cornelia Senftleben. Auch die Um- und Ausbauten erfolgten ohne vertragliche Regelung. Nach eineinhalb Stunden Verhandlung, in denen die Abwendung der Räumungsklage immer unwahrscheinlicher wurde, schlug der Richter einen weiträumigen Verkündigungstermin vor. Bis dahin sollten sich die Parteien in Vergleichsgesprächen untereinander einigen.
Eines zeichnet sich ab: Eine Zukunft wird es für Daniel Bader und seine Familie in Canow vermutlich nicht geben. „Das ist nicht mehr der Ort, den wir geliebt haben“, sagt er. Baumaßnahmen, Baulärm, neu gezogene Zäune und Gräben machten jegliche Erholung unmöglich.