Tag der Tagespflege: DRK in Güstrow und Bützow baut Ängste ab
DRK-Tagespflege: Aktionstag gegen Berührungsängste

Unter dem Motto „Kein kalter Kaffee“ und „Gemeinsam statt einsam“ haben die Tagespflegen des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in Güstrow und Bützow am bundesweiten Tag der Tagespflege über ihre Angebote informiert und Berührungsängste abgebaut. Die Teams nutzten Informationsstände unter anderem vor dem Güstrower Rathaus und vor dem Bützower Famila-Markt, um mit Bürgern ins Gespräch zu kommen.

Entlastung für Angehörige und Senioren

Viele pflegende Angehörige fällt es schwer, Unterstützung anzunehmen. „Manche haben das Gefühl, ihre Angehörigen abzuschieben. Nein, das brauchen sie nicht“, nimmt Anja Walter, stellvertretende Leiterin der DRK-Tagespflege in Bützow, pflegenden Familien die Bedenken. Die Tagespflege schenke Angehörigen Zeit zum Durchatmen, während Senioren eine strukturierte und gesellige Betreuung erleben.

Hier knüpft auch das Konzept in Güstrow an: „Bei uns gibt es eben nur heißes, nix Aufgewärmtes“, fasst Kristina Kempke, stellvertretende Pflegedienstleitung in Güstrow, das Motto des Tages zusammen. „Ich finde Tagespflege immer ein wenig verkehrt ausgedrückt – es ist eigentlich ein Treffpunkt für Senioren, um fit und in der Gemeinschaft zu bleiben und eine Beschäftigung zu haben.“ Vor allem solle der Aktionstag zeigen, dass eine Tagespflege keineswegs eine „Endstation Pflegeheim“ sei.

Alltag in der Güstrower Tagespflege

Täglich besuchen rund 15 Tagesgäste die Güstrower DRK-Tagespflege in der Langen Straße 41 – von den Senioren in Anlehnung an die frühere Nutzung des denkmalgeschützten Gebäudes liebevoll „Alte Schule“ genannt. Der Tag beginnt für manche schon um 8 Uhr mit der Vorbereitung des gemeinsamen Frühstücks. Über den Tag verteilt wird gemeinsam gekocht, gehäkelt, gebastelt oder Handwerk betrieben: Aus alten Stühlen bauen die Gäste derzeit eine neue Sitzbank.

Im „Wohnzimmer“ leitet Pflegekraft Sophia Strauchfuß zusammen mit Senioren wie Hannelore Frieberg und Irmtraut Loose Bewegungseinheiten mit kleinen Hanteln an. Nach dem nachmittäglichen Kaffeetrinken gehört das gemeinsame Lesen der Schweriner Volkszeitung mit anschließender Diskussion zum festen Ablauf.

Güstrows Pflegedienstleiterin Cindy Bleinagel betont: „Jeder Mensch ist hier geschätzt bei uns. Wir wollen das Gefühl geben, gebraucht zu werden.“ Die Teilnahme bleibt dabei immer freiwillig. Tagesgast Klaus Fastnacht schätzt diese Ungezwungenheit: „Hier zwingt mich auch keiner, was zu machen, und das Essen ist gut.“

Hürden abbauen und Selbstständigkeit erhalten

Neben finanziellen Unsicherheiten halten oft praktische Barrieren und Berührungsängste ältere Menschen ab. Die 84-jährige Magda Neumann und der 87-jährige Otto Iselhorst aus Witzin kamen am Stand in Bützow zu Wort. „Ich bin nicht gut zu Fuß“, schilderte Iselhorst stellvertretend, wie beschwerlich der Alltag im Alter werden kann und wie stark eine eingeschränkte Mobilität die Selbstständigkeit belastet. Um Senioren den Weg zu erleichtern, gehört in Bützow ein verlässlicher Fahrdienst dazu, der die Gäste morgens abholt und nachmittags nach Hause bringt.

In Bützow steht das Erhalten vorhandener Fähigkeiten durch Spielen, Vorlesen und Gemeinschaft im Fokus, um den Verbleib in den eigenen vier Wänden so lange wie möglich zu sichern.

Möglichkeiten zum Kennenlernen

Sowohl in Güstrow als auch in Bützow hängen die Kosten vom Beitrag der Pflegekasse und dem Pflegegrad ab. Um Hemmschwellen abzubauen, bieten die Einrichtungen Möglichkeiten zum Reinschnuppern: Während das Güstrower Team individuelle Schnuppertage ermöglicht, lädt die DRK-Tagespflege in Bützow bereits am Freitag, 9. Oktober, von 10 bis 16 Uhr zu einem Tag der offenen Tür ein.

Interessierte können die Räume kennenlernen, mit den Mitarbeitern sprechen und Einblicke in das alltägliche Geschehen erhalten. „Was wird alles Schönes gemacht, was bieten wir an? Wie sieht die Tagespflege überhaupt aus?“, nennt Anja Walter Fragen, auf die Besucher Antworten bekommen sollen.

Für sie steht dabei eines im Mittelpunkt: den ersten Schritt leichter zu machen. Denn die Tagespflege kann Senioren Gesellschaft und Unterstützung bieten – und Angehörigen die Kraft geben, die sie für die Betreuung zu Hause benötigen.