Eisverkauf nach Gewicht: Eisgarten Grimm zieht positive Bilanz
Eisverkauf nach Gewicht: Eisgarten Grimm zieht Bilanz

Im Eisgarten Grimm in Teterow wird seit diesem Sommer Eis nicht mehr pro Kugel, sondern pro Gramm verkauft. Inhaber Arne Grimm zieht nach der ersten Saison eine positive Bilanz: Die Diskussionen um Kugelgrößen seien beendet, der Umgangston besser geworden.

Waagen statt Kugelgrößen-Debatten

Die Idee sei letztes Jahr in seinem Kopf gewachsen, berichtet Grimm. Er habe sich überlegt, was er gegen Beschwerden machen könne. Gemeint seien Sätze wie „Letztens oder gestern war die Kugel aber noch größer“ oder „Warum ist die jetzt kleiner?“. Das Befüllen von Bechern oder Waffeln sei weiterhin Handarbeit. „Wir sind keine Maschinen. Wir sind Menschen. Und wir portionieren halt jeder anders.“

Grimm übernahm den Laden 2013. Die Beschwerden seien stets und ständig mehr geworden. Teilweise hätte er deswegen sogar Personal mit Tränen hinten in der Eisküche gehabt. Eine Lösung musste her, entschied er.

100 Gramm für 1,90 Euro

Seinen Mitarbeitern stellte er schon letztes Jahr die Frage: „Was meint ihr, wenn wir den Eisverkauf mit Waagen koppeln? Im Discounter wird jedes Obst gewogen. Der Fischer am Markt in seinem Auto hat eine Waage. Der Obststand hat eine Waage. Überall wird gewogen, warum wiegen wir nicht? Die Leute kennen es nicht, aber vielleicht macht es ja Schule.“ Gesagt, getan. Grimm schaffte die Waagen an. 100 Gramm Eis kosten laut Preistafel 1,90 Euro.

Nach dem ersten Sommer ist sein Fazit positiv. Seitdem es die Geräte gebe, sei der Umgangston unter allen besser geworden, ob zwischen Kunden oder auch unter dem Personal. Das ständige Rechtfertigen habe nachgelassen.

Flexibilität und faire Preise

Natürlich gebe es auch Kunden, die das kritisch sehen, aber am Ende sei es eine „Win-win-Situation“. Nicht nur, weil die Diskussionen geendet hätten, sondern weil auch der Kassenbestand stimmen würde, was wichtig sei im Umgang mit den Finanzbehörden. Grimm betont: „Es mögen sich Leute darüber brüskieren, dass ich das mache, aber für mich ist es eine logische Schlussfolgerung.“

Beim Preis pro Gewicht gebe es an der Truhe eine höhere Flexibilität. So habe er zuletzt einem kleinen Kind eine Kugel Eis im Becher für 80 Cent servieren können, wo sonst die Kinderkugel 1,40 gekostet hätte. Bei Sonderwünschen sei nun klar: „Wiegen und fertig“.

Wetter entscheidend für die Saison

Im Vergleich zum Vorjahr lief die Saison eher schlechter. „Wir haben zwei Tonnen Zucker weniger verbraucht. Im vergangenen Jahr waren es fünf.“ Mehr als 40 verschiedene Eis-Sorten hatte Grimm in dieser Saison im Angebot. Das Wetter sei entscheidend. „Wenn es zu heiß ist, fahren die Leute ans Wasser.“ Und ist es kalt, werde auch weniger Eis gekauft. „Wenn die Temperaturen aber stabil sind, dann hat man die ganze Zeit zu tun“, erklärt er.

Mit dem Ende der Herbstferien endet die Eissaison. Buchhaltung, Kalkulation, Maschinenwartung, Keller aufräumen, ebenso Urlaub stehen dann an. Für Gastro-Kunden werde auch noch Eis produziert.

Eigentlich steht an den Preistafeln für das Wiege-Eis, dass 100 Gramm derzeit 1,90 Euro kosten. Tatsächlich werde dieses günstiger abgegeben, verrät Grimm. Bei Kugeleis seien derzeit 1,80 Euro pro 100 Gramm in Kasse und Waage hinterlegt, bei Softeis sind es 1,50 Euro. Die Waagen bleiben. Und so dürfte auch im nächsten Jahr der Theken-Klassiker gelten: Darf’s noch ein wenig mehr sein?