In Rogeez erinnert seit kurzem ein großer Findling an Alexis Freiherr von Roenne, der 1944 als Gegner des NS-Regimes hingerichtet wurde. Bei der feierlichen Einweihung der neuen Gedenkinschrift beschrieb Pastor Eckhard Kändler den Stein als „beeindruckend groß und schwer – unverrückbar“. Zahlreiche Bürger, Wegbegleiter der Familie, Initiatoren und Kommunalpolitiker waren gekommen, um an den Verstorbenen zu erinnern.
Tochter vertritt verstorbene Schwester
Unter den Gästen war Allmuth Crasemann, die jüngste Tochter von Roennes. Eigentlich hätte ihre ältere Schwester Adelheid Döll an diesem Tag vor den Gästen stehen sollen. Sie hatte gemeinsam mit dem Rogeezer Richard Petzold das Gedenken angestoßen, starb jedoch überraschend im Mai. „Ich versuche nun, sie bestmöglich zu vertreten“, sagte Crasemann.
„Mein Vater sah mich anlässlich meiner Taufe im Herbst 1943 zum ersten – und, wie es sich ergab – zum einzigen Mal“, erzählte sie. Sie war damals neun Monate alt. Eigene Erinnerungen an ihren Vater hat sie deshalb nicht. Was sie über ihn weiß, kennt sie aus den Erzählungen ihrer Mutter und anderer Angehöriger – und aus seinen Briefen, die bis kurz vor seinem Tod aus dem Gefängnis geschmuggelt wurden.
Vom Berufssoldaten zum NS-Gegner
Von Roenne war Berufssoldat und zuletzt Chef der Generalstabsabteilung „Fremde Heere West“. Zum Gegner des NS-Regimes wurde er nicht von Anfang an. Seine Haltung änderte sich jedoch grundlegend. Er erfuhr von den Massenmorden in Osteuropa und hielt Hitlers militärische Führung für verhängnisvoll. Von Roenne wusste vom geplanten Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944, beteiligte sich aus christlicher Überzeugung jedoch nicht aktiv daran. Wegen seiner Mitwisserschaft wurde er vom Volksgerichtshof dennoch zum Tode verurteilt und am 12. Oktober 1944 in Berlin-Plötzensee hingerichtet.
Zwei Tage später erhielt seine Witwe die Mitteilung über die Vollstreckung des Urteils. Eine Todesanzeige durfte die Familie nicht veröffentlichen, das Vermögen wurde konfisziert.
Kein offizielles Grab
Wie tief die Folgen auch die Familie trafen, wurde deutlich, als Allmuth Crasemann von den Jahren danach erzählte. Ihre Mutter stand mit den Kindern mittellos da. Freunde und Verwandte halfen ihnen. „Für meinen Vater gibt es kein offizielles Grab“, sagte sie sichtlich angefasst. Die Hingerichteten seien verbrannt oder anonym bestattet worden. „Dieser Gedenkstein ist ein Zeichen der Anerkennung.“
Angestoßen wurde die Gedenkinschrift von Richard Petzold. Auch Dieter Halbig, der bereits 2019 eine Gedenkveranstaltung zum 75. Hinrichtungstag organisiert hatte, gehörte zu den Unterstützern. Brigitte Leberl vom Rogeezer Dörpverein dankte allen, die das Vorhaben begleitet hatten.
Die Inschrift solle die Erinnerung wachhalten und kommenden Generationen Anlass geben, sich mit von Roennes Geschichte auseinanderzusetzen, hieß es. Der Findling kann ein Grab nicht ersetzen, der Erinnerung an Alexis Freiherr von Roenne gibt er in Rogeez nun einen sichtbaren Ort.