Die Deutsche Tanzkompanie in Neustrelitz erarbeitet mit der neuen Choreografin Katharina Torwesten gleich zwei Produktionen: die Kinderbuch-Adaption „Heidi“ und das Märchen „Vom Fischer und syner Fru“. Die Premiere von „Heidi“ ist für den 23. Oktober um 18 Uhr im Schauspielhaus Neubrandenburg geplant.
Neue Choreografin mit langer Bühnenerfahrung
Katharina Torwesten war zuletzt als Ballettdirektorin in Detmold tätig. Dort begeisterte sie den Geschäftsführer der Tanzkompanie, Marco Zabel, bei einem Gastspiel. „Ihr tiefes Interesse an den Stoffen und die Art, wie sie Innerstes sichtbar macht“, so Zabel. „Sie will etwas erzählen, und das haben wir gemeinsam: erzählendes Tanztheater.“
Die gebürtige Münsteranerin war bereits vor ihrer Choreografenkarriere ein Jahr Mitglied der Deutschen Tanzkompanie – damals unter ihrem Mädchennamen Katharina Seidel. Es folgten Engagements in Brandenburg, Bremerhaven und Bautzen. Seit 1996 arbeitet sie deutschlandweit als Choreografin für Theater und Festivals, etwa in Dresden, Hildesheim, Coburg und Eutin. Zudem war sie Jurorin internationaler Wettbewerbe von Brasilien bis Südkorea.
„Heidi“ als Ballett für die ganze Familie
Ihr künstlerisches Motto entlehnt Torwesten der Choreografin Pina Bausch: „Mich interessiert nicht, wie der Mensch sich bewegt, sondern was ihn bewegt.“ Für sie ist „Heidi“ ein idealer Stoff: Ein Waisenkind wächst glücklich in den Bergen auf, wird dann aber von der Tante in die Stadt geholt. Dort gerät das Naturkind „in eine Wohlstandswelt, in der es sterbenskrank wird“, so die Choreografin. Die Geschichte zeige, „wo ein Mensch hingehört, wo er sein Glück findet“ und „welche Kraft ein Individuum hat, das seine wahre Natur bewahren darf“.
Die 1880 erstmals veröffentlichte Geschichte von Johanna Spyri sei ihrer Zeit voraus gewesen, sagt Torwesten. Die Autorin habe erkannt, „wie wichtig Natur, Freiheit, Emotionen für Kinder sind“. Das Ballett für die ganze Familie passt zugleich zum 200. Geburtstag von Johanna Spyri (1827–1901).
Märchenabend mit Musik von Robert Lillinger
Die große Abendproduktion im Frühjahr bezieht sich auf das plattdeutsche Märchen „Von dem Fischer und syner Fru“ von Philipp Otto Runge (1777–1810). Für Torwesten verkörpern Fischer, Frau und Butt drei Seiten eines Menschen: die unterdrückten Wünsche des Fischers, die treibende Kraft seiner Frau und den Butt, der Wünsche erfüllt, bis die Gier zerstörerisch wird. „Wann gelangt man an jene Grenze, wo man den Blick dafür verliert, was man wirklich braucht“, fragt die Choreografin.
Die Choreografie wurde mit Musik von Robert Lillinger im Frühjahr am Landestheater Detmold uraufgeführt. Die Neueinstudierung mit der Tanzkompanie soll unter anderem in Runges Geburtsstadt Wolgast und in Hamburg gastieren.
Termine und Vorstellungen
Eine Einführung zu „Heidi“ gibt es am 13. Oktober um 17 Uhr bei der Tanzaktion Neubrandenburg. Die Premiere folgt am 23. Oktober um 18 Uhr im Schauspielhaus Neubrandenburg. Weitere Vorstellungen sind nach einem Gastspiel in Brüssel vom 6. bis 8. Dezember im Saal der Deutschen Tanzkompanie, vom 12. bis 14. Dezember im Schauspielhaus Neubrandenburg sowie am 20. Dezember im Landestheater Neustrelitz geplant. Die Premiere von „Vom Fischer und syner Fru“ soll am 9. April 2027 stattfinden.