HVO100 plötzlich billiger als Diesel: Überraschung an der Tankstelle
HVO100 plötzlich billiger als Diesel: Überraschung

Wer in diesen Tagen an der Team-Tankstelle in Waren an der Neustrelitzer Straße tankt, kann eine ungewöhnliche Beobachtung machen: Der synthetische Diesel HVO100 ist dort seit einigen Tagen günstiger als der herkömmliche B7-Diesel. Das Tankstellenpersonal bestätigt, dass dies kein Versehen ist, sondern seit einiger Zeit tatsächlich der Fall. Auch an den wenigen anderen Tankstellen im Land, die HVO100 anbieten, zeigt sich das Phänomen.

Preiswende nach Jahren des Aufschlags

Seit seiner Markteinführung im Jahr 2024 war der HVO-Diesel, der kein Rohöl enthält und vor allem aus altem Speisefett gewonnen wird, stets teurer als normaler Diesel. Anfangs lag der Aufpreis sogar bei mehr als 20 Cent je Liter. In Waren, wo der Kraftstoff seit Anfang des Jahres erhältlich ist, betrug der Aufpreis zum normalen Diesel in der Regel 6 bis 8 Cent.

Doch schon vor einigen Wochen hat sich der Preis im Großhandel gedreht: Seitdem ist HVO100 im Schnitt rund 5,5 Cent günstiger als fossiler Diesel, an einzelnen Tanklagern im Norden zeitweise sogar um bis zu zehn Cent. Diese Entwicklung kommt nun an der Zapfsäule an.

Drei Gründe für den niedrigeren Preis

Experten zufolge gibt es drei Gründe für die Preisentwicklung. Erstens leidet der normale Diesel stärker unter den Preisschwankungen beim Rohöl, da der synthetische kein Rohöl enthält. Zweitens ist HVO100 geringer besteuert, weil die nationale CO₂-Abgabe für diesen Treibstoff nicht anfällt. Drittens müssen Anbieter eine Treibhausgasminderungsquote zahlen, die sich verringert, je mehr HVO100 sie verkaufen.

So erkennen Sie, ob Ihr Auto HVO100 verträgt

Die meisten Diesel-Autos können HVO100 tanken, aber nicht alle. Sicherheit bietet nur ein Etikett mit der Aufschrift „XTL“ am Tankstutzen, das normalerweise neben dem „B7“-Etikett für normalen Diesel angebracht ist. Der HVO-Kraftstoff kann im Tank problemlos mit normalem Diesel gemischt werden. Wer keinen XTL-Aufkleber hat, sollte vor der ersten Betankung bei der Werkstatt oder dem Autohersteller nachfragen.

HVO100-Diesel ist nicht mit normalem Biodiesel zu verwechseln, der in den meisten modernen Pkw-Motoren nicht eingesetzt werden darf und schwere Schäden verursachen kann. Für geeignete Motoren ist HVO-Kraftstoff hingegen nicht schädlich. Hersteller verweisen auf identische Eigenschaften wie die des normalen Diesels, viele Nutzer berichten über höhere Laufruhe und besseres Kaltstartverhalten. Chemisch hat der HVO-Kraftstoff eine höhere Güte, belastet den Partikelfilter weniger und riecht beim Verbrennen eher wie Kerzenwachs. Der Verbrauch ist in der Regel identisch.

Wer ein geeignetes Auto hat, kann an der Tankstelle aktuell etwas Geld sparen – bei einer Preisdifferenz von 2 Cent geht es bei 50 Litern allerdings nur um einen Euro. Umwege lohnen sich also nicht. Ob der HVO-Diesel dauerhaft preiswerter bleibt, ist völlig offen. Außer in Waren ist der Kraftstoff in der Region bislang nur an wenigen Zapfsäulen erhältlich, an einigen Tankstellen nur an Lkw-Zapfpistolen, die nicht in normale Pkw passen.