In Neubrück hat die Tierpflegerin Anna Schmidt vom Katzenparadies Neustrelitz an einem Tag acht streunende Katzen eingefangen – vier männliche und vier weibliche. Sie wurden zur Kastration gebracht, damit sie sich nicht unkontrolliert vermehren. Nach erster Einschätzung streunen in dem Ort am Waldrand mindestens 20 Tiere umher.
Eine Spaziergängerin, die nicht aus dem Ort stammt, hatte die Tierschützer auf das Dilemma aufmerksam gemacht. Vor einem Wohnhaus am Waldrand tummelten sich unzählige Katzen. „Niemanden schien das zu interessieren“, sagt Manuela Jeschke vom Katzenparadies. Die Tiere seien unterernährt und krank gewesen.
Unkontrollierte Vermehrung als Kernproblem
Wenn Freigängerkatzen und Streuner nicht kastriert werden, vermehren sie sich rasant. Der Tierschutzbund macht dies mit einer Grafik deutlich: Innerhalb von zehn Jahren werden aus zwölf Katzen 80 Millionen. Manuela Jeschke unterstützt die Forderung nach einer Kastrationspflicht, hat aber Zweifel an der Kontrolle. Sie setzt stattdessen auf Aufklärung und Hilfe.
Wie im Fall von Monika M. in Neubrück, deren vollständiger Name der Redaktion bekannt ist. Auf ihrem Hof betteln immer mehr fremde Katzen um Futter. „Ich werde unruhig, wenn ein Auto am Waldrand parkt“, sagt die Rentnerin. Sie füttert alle Tiere, doch die Kosten überschreiten ihr Budget. Rund 200 Euro im Monat kommen zusammen. Für Kastrationen fehlt ihr das Geld.
Einfangen, kastrieren, zurückbringen
Anna Schmidt, Leiterin des Tierheims, betont: „Wer bei uns um Hilfe bittet, bekommt keine Strafpredigt, sondern Hilfe.“ Die Tiere werden morgens mit Lebendfallen oder dem Kescher gefangen und nachmittags zum Tierarzt gebracht. Neben der Kastration erhalten sie eine Parasitenbehandlung und Impfungen. Nach einem Tag Erholung im Quarantäne-Zimmer werden sie an die Fundstelle zurückgebracht – sofern dort ihre Versorgung sichergestellt ist.
Monika M. wird weiterhin ihr Bestes für das Tierwohl geben, davon sind die Tierschützer überzeugt. „Wir werden Sie mit Futter unterstützen“, verspricht Anna Schmidt. Eine Aufnahme der Tiere im Katzenparadies ist aktuell nicht möglich: „Mit 75 Tieren sind wir derzeit randvoll“, sagt die Tierheimleiterin.
Problem verschärft sich im Herbst
Gerade im Herbst verschärfe sich das Problem, sagt Manuela Jeschke. Viele Streuner werden in Bungalowsiedlungen und Kleingartenanlagen durchgefüttert und vermehren sich. „Im Winter ist dann niemand mehr da, der die Katzen füttert, und die Tiere leiden“, so Jeschke. Sie appelliert an die Gemeinden, das Problem ernst zu nehmen.
Der Verein Katzenparadies finanziert sich ausschließlich über Spenden. Unerwarteten Zuspruch gab es nun von einem Sportverein: Beim Turnier der Landesmeisterschaft der Gehfußballer, dessen Gastgeber der FV Wokuhl war, machte Vereinsvorsitzender Olaf Böhme auf den Fall aufmerksam. Während der Moderation sammelte er ein wenig Hartgeld und hängte Informationen im Vereinsheim aus, in der Hoffnung auf weitere Spenden auf das Konto.