Die Kleiderkammer des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in der Gnoiener Friedenstraße schließt zum 31. Dezember. Ein Zettel an der Tür weist bereits seit einigen Tagen darauf hin, dass keine Kleidung mehr angenommen wird. Verbandssprecherin Caroline Awe bestätigte gegenüber dem Nordkurier die Aufgabe des Standorts.
Markt für Altkleider zusammengebrochen
Das DRK hatte sich lange bemüht, die Einrichtung fortzuführen, wie es heißt. Die Gründe für die Schließung seien vielfältig, erklärte der DRK-Kreisverband Güstrow. Der Markt für Altkleider sei nahezu zusammengebrochen, zahlreiche bisherige Verwerter seien insolvent. „Neue Partner zu finden, ist in der aktuellen Lage nahezu unmöglich“, berichtet Caroline Awe. Bereits zuvor habe das DRK deshalb Altkleidercontainer in der Region abbauen müssen.
Die zentrale Lage der Kleiderkammer in der Stadt hatte die Hoffnung genährt, neue Kooperationspartner zu finden – jedoch ohne Erfolg. Verschiedene Fördermöglichkeiten wurden geprüft und Anträge gestellt. „Alle Ideen und Bemühungen seitens des Kreisverbandes, neue Finanzierungsmöglichkeiten zu finden, um den Erhalt zu sichern, scheiterten leider“, erklärt Awe.
Landkreis streicht freiwillige Leistungen
Hinzu komme die Lage im Kreishaushalt des Landkreises Rostock. Freiwillige Leistungen würden aktuell nicht gezahlt. Damit entfalle die Förderung durch den Landkreis, mit der Träger der freien Wohlfahrtspflege fest kalkuliert hatten. Die Stadt Gnoien unterstützt das DRK seit vielen Jahren mit einem konstanten Zuschuss von 400 Euro pro Jahr – dieser Betrag reiche jedoch nicht aus, um die Kosten zu decken.
In der Stadtvertretersitzung am Montagabend sprach Steffi Burmeister (AfD) das Thema an. „Das DRK findet keine günstigen Räume, heißt es“, wandte sie sich an den Bürgermeister. Lars Schwarz (CDU) antwortete: „Mit uns hat keiner das Gespräch gesucht.“ Dabei hätte die Stadt durchaus Räume anzubieten. Er könne sich aber nicht vorstellen, dass es nur an der Miete liege. „Da, wo großes Geld zu verdienen ist, sind sie immer vorn mit dabei. Aber bei anderen Sachen ducken sie sich weg“, meinte der Bürgermeister in Richtung DRK.
Andere Kleiderkammern bleiben geöffnet
Gunnar Steinbrink (CDU), selbst DRK-Mitarbeiter, widersprach dieser Einschätzung. Die Kleiderkammern erlebten einen „totalen Rückgang vom Zulauf her“, sagte Steinbrink. Die Leute bräuchten wohl gar keine Kleider mehr. Man müsse sich Gedanken machen, wie man künftig mit dieser Situation umgehe.
Eine auskömmliche Finanzierung für Kleiderkammern gebe es derzeit nicht, sagt Verbandssprecherin Awe. Für Hilfesuchende stehen jedoch weiterhin die DRK-Kleiderkammern in Güstrow, Bützow, Krakow am See, Teterow und Laage zur Verfügung. Den ehrenamtlichen Mitarbeitern in Gnoien will das DRK Perspektiven aufzeigen, wie sie sich auch weiterhin in dem Verband engagieren können.