Das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) blickt angesichts des laufenden Herbstzuges der Vögel mit Sorge auf mögliche Infektionen mit der Geflügelpest. Wie hoch das Risiko in dieser Saison ist, lasse sich nicht zuverlässig vorhersagen, sagte eine Sprecherin des Bundesforschungsinstituts für Tiergesundheit in Greifswald der Deutschen Presse-Agentur.
Massensterben im Vorjahr
Im vergangenen Jahr waren tausende Kraniche an den Folgen einer Infektion mit dem aviären Influenzavirus H5N1 verendet. Hunderttausende Nutztiere in Geflügelhaltungen mussten wegen Infektionen gekeult werden. Auch im zurückliegenden Sommer wurde das Virus vereinzelt in Wildvögeln nachgewiesen, zudem war eine Geflügelhaltung von einem Ausbruch betroffen.
Steigendes Risiko und Biosicherheitsmaßnahmen
Das FLI geht von einem steigenden Risiko für weitere Ausbrüche in den kommenden Monaten aus. Die Experten erinnern an die Einhaltung von Biosicherheitsmaßnahmen in Betrieben, falls es in ihrem Umfeld zu Ausbrüchen kommt. Das Virus könne nicht nur durch infizierte Vögel, sondern auch durch „verschmutzte Schuhe, Kleidung, Geräte, Fahrzeuge, Futter oder Wasser verschleppt werden“.
Erwartete Kranichrast und fehlende Immunitätsdaten
In den kommenden Tagen erwarten Vogelschützer tausende rastende Kraniche auf ihrem Weg in den Süden – etwa am Stausee Kelbra an der Grenze zwischen Thüringen und Sachsen-Anhalt. Dort sammelten Behörden und Helfer im vergangenen Jahr tausende verendete Tiere auf. „Letztes Jahr war es furchtbar, wir sind noch immer traumatisiert und haben alle geheult“, sagte Astrid Koschorreck, Geschäftsführerin des Landschaftspflegeverbands Südharz/Kyffhäuser.
Ob die Kraniche in diesem Jahr weniger anfällig für das Virus sind, ist nach Ansicht der FLI-Experten unklar. Es gebe dazu „keine verlässlichen Daten“. Nur die Untersuchung von Blutproben einer ausreichend großen Anzahl der Tiere könnte Aufschluss geben. „Dies ist mit den tier- und artenschutzrechtlichen Rahmenbedingungen gegenwärtig jedoch nicht vereinbar.“