Mastjahr der Buchen: Überangebot an Bucheckern im Glienholz
Mastjahr der Buchen: Bucheckern im Überangebot

Der Wald zeigt sich an diesem Morgen in seinem schönsten goldenen Oktoberkleid. Es ist mild, die Sonne scheint durch die Blätter, und der Waldweg ist üppig bedeckt mit Bucheckern. Förster Martin Neumann von der Landesforst im Glienholz spricht über die Bäume und ihre Früchte: „Ja, in diesem Jahr haben wir eine Vollmast.“

Was bedeutet Vollmast?

Von Vollmast spricht man, wenn mehr als 80 Prozent der Rotbuchen Früchte tragen. Der Begriff hat seinen Ursprung in der Schweinemast im Wald. In früheren Zeiten wurden die Schweine der Bauern im Herbst in den Wald getrieben, um sich dort von Bucheckern, Eicheln und anderen Früchten zu ernähren. Waren diese reichlich vorhanden, war es vorteilhaft.

Die kleinen Nussfrüchte bildet die Rotbuche erst ab einem Alter von zirka 50 Jahren. Ausschlaggebend für ein Mastjahr sind nicht die Witterungsbedingungen in dem betreffenden Jahr, sondern im Jahr zuvor. Allen voran spielt Wärme eine zentrale Rolle, die den Hormonhaushalt der Rotbuchen ordentlich ankurbelt und somit das Verhältnis der Anlagen für Knospen und Blätter verschiebt.

Einfluss der Klimaerwärmung

Hier zeigt sich auch der Einfluss der Klimaerwärmung. „Früher hatten wir durchschnittlich alle sieben Jahre ein Mastjahr, heute sind wir bei durchschnittlich drei Jahren“, berichtet Neumann. Dies bedeutet aber auch Stress für die Bäume, da sie diesen kräftezehrenden Prozess häufiger durchlaufen.

Natürliche Verjüngung des Waldes

Das massige Vorkommen beeinflusst auch die natürliche Verjüngung des Waldes. „Die Bedingungen im Stadtforst Röbel/Müritz sind optimal für die natürliche Verjüngung“, sagt Neumann. Gegenüber der künstlichen Verjüngung, also dem gezielten Setzen von Jungbäumen, gibt es einen großen Vorteil: Der daraus entstehende Wald ist stabiler, weil die Bäume bessere Bewurzelung haben. Denn vorgezogene Bäume werden umgepflanzt, was zur Beeinflussung des Wurzelballens führt.

Die natürliche Verjüngung bringt auf den ersten Blick etwas mehr Arbeit mit sich, da mehr Jungwuchspflege betrieben werden muss. Langfristig ist sie jedoch dem Ziel zuträglich, einen Dauerwald mit verschiedenen Schichten und Baumarten zu etablieren.

Reich gedeckter Tisch für Wildtiere

Auch Wildtiere wie Wildschweine, Rehe, Hirsche und Vögel profitieren von Mastjahren, unter anderem der Buchfink. Neumann erklärt lachend: „Er heißt nicht so, weil er viel liest, sondern weil er sich von Bucheckern ernährt.“ Auch dem Eichelhäher kommt die große Nahrungsgrundlage entgegen. Er wird auch Bauer des Waldes genannt, weil er Früchte weit trägt, um sie zu verstecken und so zur Bildung von sogenannten Dauerwäldern beiträgt.

Für die menschliche Ernährung sind Bucheckern auch nicht uninteressant. „Das Superfood aus dem Wald“, nennt Neumann sie. Er weist aber auch darauf hin, dass sie nicht roh verzehrt werden sollten. „Die enthaltenen Säuren können zu Bauchschmerzen führen“, gibt Neumann zu bedenken. Geschält und angebraten sind sie jedoch nicht mehr bedenklich.

Aber auch andere Baumarten haben ein Mastjahr. Esskastanien, die eher vereinzelnd vorkommen, tragen dieses Jahr ebenso reichlich. Diese Bäume sind nicht nur hübsches, leckeres Beiwerk, sondern auch forstlich interessant und klimastabil. Die verschiedenen Eichenarten hatten im letzten Jahr offenbar ebenfalls gute Bedingungen und zeigen sich vereinzelt ebenfalls im Mastjahr.

Forstnachwuchs vorhanden

Begleitet wird Neumann an diesem Tag vom 14-jährigen Leon Ott. Der Schüler aus der 8. Klasse absolviert ein Praktikum bei der Landesforst. Er interessiert sich bereits intensiv für forstwirtschaftliche Themen. Sein Ziel ist es, nach der Schule die Ausbildung zum Forstwirt zu machen. Also ist auch hier natürliche Verjüngung zu erwarten.