Oldtimertreffen auf dem Motodrom: „Ratten“, „Perlen“ und Einzelstücke
Oldtimertreffen auf dem Motodrom in Ludwigslust

Zum zweiten Mal trafen sich Fans alten Blechs (oder alter Plaste) auf dem Motodrom in Ludwigslust. Bei herrlichem Wetter herrschten Trubel und gute Stimmung auf dem Gelände.

Ein „Country-Trabi“ zieht alle Blicke auf sich

„So was habe ich ja noch nie gesehen!“ Dem Besucher bleibt vor Staunen der Mund offen stehen, als sein Blick auf den roten Trabant fällt. „Tiefer gelegte Pappen kenne ich ja zur Genüge, aber das hier?!“

Der rote Zweitürer fällt in der Tat auf, vor allem durch seine Höhe. Zum Einstieg in diese Karosse ist eine kleine Leiter durchaus sinnvoll. Der Aufbau des Trabant 601 thront auf dem Fahrgestell eines Suzuki Geländewagens und wird von einem Sechszylindermotor angetrieben. Als Besitzer Uwe mit diesem Gefährt eine Runde um das Tempodrom in Ludwigslust dreht, sind ihm viele erstaunte Blicke sicher.

Doch der „Country-Trabi“ ist nur eines von rund 700 Fahrzeugen, die sich auf dem Gelände des Motodroms den vielen interessierten Zuschauern präsentieren. Darunter sind Preziosen wie der Wartburg 311 in diversen Ausführungen, von der Limousine über das hübsche Coupé bis zum Camping-Kombi. Selbst eines der nur 469 Exemplare des Wartburg 313/1 mit Hardtop findet sich. Trabis in allen Variationen inklusive einiger „Stoffhunde“ (der NVA-Kübelversion ohne feste Türen) und Barkas in unterschiedlichsten Aufbauvarianten dominieren.

West-Fahrzeuge in der Unterzahl

Fahrzeuge aus West-Produktion sind eindeutig in der Unterzahl. „Manche fragen ganz schüchtern, ob sie überhaupt aufs Gelände dürfen“, zeigt sich Kerstin vom Organisationsteam des veranstaltenden IFA-Vereins amüsiert. Dabei sind auch sie ausdrücklich willkommen. Vom kleinen Fiat 500 (dem Vorgänger des auch in Polen gebauten Fiat 126) über den VW Golf und einen alten Feuerwehr-Bulli mit geteilter Frontscheibe waren etliche Fahrzeuge aus West-Produktion vertreten. Dazu tauchten Paradiesvögel wie ein Oldsmobile Coupé aus den frühen 1950er Jahren, ein Mitsubushi Galant im Japan-Barockkleid der späten 1970er und ein gleich alter „Facharbeiter-Porsche“ der Baureihe 924 im Inneren des Motodroms auf.

Großer Teilemarkt lud zum Stöbern ein

Wer Ersatzteile oder Accessoires suchte, wurde auf der benachbarten Händlermeile fündig. Dort lagen Preziosen wie das originale Lenkgetriebe eines Trabant P 50 aus Altbestand - noch mit dem Pappschildchen, auf dem der Preis von 67 Mark (Ost) verzeichnet war. Es fand schnell einen Käufer (zu welchem Euro-Betrag, blieb ein Geheimnis des Verkäufers), ebenso wie eine komplette Innenausstattung für einen Wartburg 353 Tourist in cognakbraunem Kunstleder.

Insgesamt war die Stimmung prima bis ausgelassen, auch an den Getränk- und Imbissständen. Von der in letzter Zeit häufiger beschworenen Oldtimer-Müdigkeit keine Spur, und auch die trotz Tankrabatt immer noch über zwei Euro liegenden Literpreise für Treibstoff tun dem Spaß an den historischen Fahrzeugen keinen Abbruch. Dafür macht so ein Zusammentreffen einfach zu viel Spaß: „Es geht um das zwanglose Zusammensein, ums ‚Benzin reden‛. Da ist es völlig egal, ob jemand mit einer Simson, einem Mercedes oder einem F50 ankommt“, findet Ralph aus Wismar, der mit seinem Wartburg 312 gekommen ist.