Nachdem das Vermietungsprojekt für die Kloster- und Schlossanlage in Dargun ohne substanzielle Resonanz blieb, gibt es nun eine neue Idee: Der Evangelische Kirchenbauverein schlägt vor, die Klosterkirche wieder mit einer Orgel auszustatten, die sich an der 1945 verbrannten Arp-Schnitger-Orgel orientieren soll.
Prospekt ohne Erfolg
Die Stadt Dargun hatte im Frühjahr ein Exposé mit dem Titel „Die Kloster- und Schlossanlage Dargun erwacht zum Leben!“ vorgelegt, um mehr Veranstaltungen und neue Nutzungen in die Anlage zu holen. Kritiker bemängelten, der Titel klinge, als ob hier alles am Boden liegen würde. Gut ein halbes Jahr später fällt die Resonanz ernüchternd aus: Nach Angaben von Bürgermeisterin Jana Böttcher liegt bisher kein substanzielles Angebot vor.
Die Stadt hatte den Prospekt unter anderem an den Tourismusverband, die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, die Klosterstätten MV und den Landesheimatverband gestreut. Angeboten wurden etwa der Veranstaltungsraum im alten Kornspeicher mit Küche und Zapfanlage, der Ausstellungsraum im Mittelrisalit sowie die Südarkaden. Die Hoffnung auf ein neues gastronomisches Angebot, etwa im Erdgeschoss des Kornspeichers, erfüllte sich bislang nicht.
Orgel nach historischem Vorbild
Der Kirchenbauverein, der seit Jahren ein besonderes Interesse an dem Darguner Ensemble zeigt, will die Stadt am Klostersee nun „zum überregionalen Treffpunkt im südlichen Ostseeraum“ erheben. Das Instrument soll sich an der 1945 verbrannten Orgel orientieren. Nach Angaben des Vereins liegen im Landesarchiv Schwerin Unterlagen zur Arp-Schnitger-Orgel vor, die als Grundlage dienen könnten. Arp Schnitger, getauft am 9. Juli 1648 und gestorben 1719, gilt als bedeutender Orgelbauer des norddeutschen Barock.
Der Kirchenbauverein verweist darauf, dass eine Orgel in dieser Tradition die norddeutsche Orgelmusik authentisch wiedergeben könne. Entlang der Ostseeküste von Lübeck bis Riga biete dies bisher nur die Stellwagen-Orgel in der Stralsunder Marienkirche. Viele Instrumente in Mecklenburg-Vorpommern stammen aus dem 19. Jahrhundert oder wurden hinter barocken Prospekten umgebaut und klanglich dem romantischen Zeitgeschmack angepasst.
Streit um Eigentum und Klangverteilung
Der Kirchenbauverein war jahrelang mit der Stadt Dargun im Streit darüber, ob ihr die Kloster- und Schlossanlage wirklich gehört. Nach Ansicht des Vorsitzenden Dr. Thomas Buske hat das Land Mecklenburg-Vorpommern in den 1990er Jahren die Anlage rechtswidrig an die Stadt übertragen. Weder der Landtag noch die Staatsanwaltschaft, an die sich Buske gewandt hatte, sahen jedoch Handlungsbedarf.
Für die Aufstellung einer Orgel in der Klosterkirche favorisiert der Verein das östliche Joch der Kirche in spitzem Winkel. So träfe der Ton nicht direkt auf die große Glaswand und die Südfenster. Das stark gegliederte Mauerwerk könne den Klang besser tragen und im Raum verteilen. Ob und wann die Kloster- und Schlossanlage tatsächlich mit einer neuen Orgel von sich reden macht, ist aber noch völlig ungewiss.