Schloss Melkof im Vellahner Ortsteil Melkof am See gehört zu den großen Herrenhäusern Norddeutschlands aus der Zeit des Historismus. Mit mehr als 4800 Quadratmetern Nutzfläche, Backsteinfassaden, Wappensaal und Parkseite mit Terrasse bildet es zusammen mit Kirche, Park und früheren Wirtschaftsgebäuden ein erhaltenes Gutsensemble.
Vom Lehnsgut zum großen Schloss
Die Geschichte des Gutes reicht mindestens bis ins 15. Jahrhundert zurück. In einer Urkunde vom 27. August 1471 wird Ullrich Pentz zu Melkhof genannt. Die Familie von Pentz besaß hier Hufen und Höfe und blieb über Jahrhunderte mit dem Gut verbunden. Aus Melkhof wurde um den Jahreswechsel 1887/88 auf Antrag von Adelheid von Kanitz offiziell Melkof.
Die Familie von Pentz blieb bis 1819 in Melkhof. Carl von Pentz gab den Verkauf des Gutes bereits 1811 in Auftrag, der Preis sollte bei mindestens 200.000 Talern liegen. Acht Jahre später kaufte Claus von der Decken das Gut, der hannoversche Staats- und Kabinettsminister. Zum Besitz gehörten auch Langenheide und Jesow.
Unter Claus von der Decken entstand um 1819/20 ein neues Herrenhaus im klassizistischen Stil. Es hatte eine breite Eingangstreppe, einen Portikus mit dorischen Säulen und zur Gartenseite einen Wintergarten. Im Inneren lagen eine Eingangshalle, zwei Säle und ein Gartensaal. Teile dieses Vorgängerbaus wurden später in das heutige Schloss einbezogen.
Möckels Umbau prägte das Haus
Das heutige Aussehen geht vor allem auf die Jahre 1885 bis 1888 zurück. Adelheid von der Decken, Tochter von Julius von der Decken und Anna Hedwig von Kleist, hatte 1875 Konrad Graf von Kanitz geheiratet. Sie erbte den Besitz nach mecklenburgischem Erbjungfernrecht. Graf von Kanitz ließ das Herrenhaus deutlich vergrößern, den Entwurf lieferte Gotthilf Ludwig Möckel.
Aus dem klassizistischen Gutshaus wurde ein großer Backsteinbau im Stil der Neorenaissance. Der Grundriss ist H-förmig, das Haus hat zwei Geschosse, ein Untergeschoss und ein hohes Dach. 1893 waren Großherzog Friedrich Franz III. und Großherzogin Anastasia zu Gast. Auch Jagden mit Angehörigen des mecklenburgischen Adels sind für die Zeit um die Jahrhundertwende herum überliefert.
Im Inneren sind Teile der früheren Ausstattung erhalten. Besonders auffällig ist der Wappensaal mit farbig verglasten Fenstern über zwei Etagen. Sie zeigen unter anderem die Allianzwappen der Familien von der Decken und von Kleist sowie von Kanitz und von der Decken. Auch das vertäfelte Vestibül, das Kaminzimmer und der Gartensaal gehören zu den wiederhergerichteten Räumen.
Die Gutskirche neben dem Schloss
Nördlich des Herrenhauses steht die Gutskirche. Anna Hedwig von der Decken ließ sie nach dem Tod ihres Mannes Julius ab 1868 errichten. Um dort auch einen eigenen Pastor anstellen zu dürfen, spendete die Bauherrin drei Buntglasfenster für die Mutterkirche in Vellahn. Daraufhin durften in Melkof von Vellahn unabhängige Gottesdienste gefeiert werden.
Die Kirche bekam einen Gruftanbau für die Familie und wurde im spätklassizistischen Stil gebaut. Ihre Architektur bezog sich auf das damalige klassizistische Herrenhaus, also auf den Vorgängerbau des heutigen Schlosses. In der Kirche steht eine Buchholz-Orgel, die heute nicht mehr spielbar ist. Nach der Wende wurde der Bau über Jahre saniert.
Nach 1945 änderte sich die Nutzung
Die Familie von Kanitz blieb bis zur Enteignung 1945 auf Melkof. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Besitz durch die Bodenreform in der Sowjetischen Besatzungszone enteignet. Das Gut wurde aufgeteilt, später gingen Flächen in Volkseigentum über. Im Herrenhaus richtete die sowjetische Besatzungsmacht ein Altersheim ein.
1948 ordnete die sowjetische Kreiskommandantur in Hagenow den Abbruch des Gebäudes an. Der Befehl wurde nicht umgesetzt. In der DDR diente Schloss Melkof als Kreisfeierabendheim. In den 1970er Jahren übernahm der VEB Fliesenwerke „Kurt Bürger“ Boizenburg eine Patenschaft. Nach 1990 blieb das Haus zunächst Seniorenheim, später wurde es zeitweise als Heim für suchtkranke Frauen genutzt.
2003 wurde das Anwesen vom Landkreis Ludwigslust verkauft. Danach begann die schrittweise Restaurierung. DDR-Einbauten wurden entfernt, Räume wie Vestibül, Gartensaal, Bibliothek und Kaminzimmer wurden wieder stärker an den früheren Zustand herangeführt. Schloss Melkof steht heute unter Denkmalschutz und befindet sich in Privatbesitz.