Schneiderei in Röbel sucht Nachfolger: „Alleine ist es nicht zu schaffen“
Schneiderei in Röbel sucht Nachfolger

Seit 51 Jahren arbeitet Marita Neu als Schneiderin in Röbel. In ihrer Nähstube laufen Fäden zusammen: Hosen werden gekürzt, Brautkleider angepasst, Gardinen gefertigt und repariert. Doch die Frage, wer den Betrieb eines Tages übernimmt, beschäftigt die Inhaberin zunehmend. „Alleine ist es nicht zu schaffen“, sagt sie.

Vom Kombinat zur eigenen Schneiderei

Marita Neu begann ihre Karriere zu DDR-Zeiten im Dienstleistungskombinat. Nach der Wende wagte sie den Schritt in die freie Wirtschaft. Das Angebot erweiterte sich: Neben Änderungs- und Reparaturarbeiten kamen die Fertigung und Montage von Gardinen sowie das Anbringen von Insektenschutz hinzu. Die Belegschaft musste jedoch deutlich verkleinert werden. „Wir waren damals 23 Leute“, erinnert sich Neu. Heute arbeiten noch drei Näherinnen in dem Geschäft.

Die Schneiderei ist außerdem Annahmestelle für eine Reinigung in Güstrow und eine Wäscherei in Teterow. Ein Monteur gehört ebenfalls zum Betrieb. Er montiert Gardinen und Plissees und bringt Insektenschutz an.

Der Wandel im Umgang mit Kleidung

Wie sich der Umgang mit Kleidung verändert hat, erlebt die Schneiderin täglich. Manche Kunden bringen sehr günstig gekaufte Hosen zum Kürzen und stellen fest, dass die Änderung fast so viel oder sogar mehr kostet als das Kleidungsstück selbst. Dann falle auch schon einmal der Satz, für nur wenig mehr Geld gebe es schließlich eine neue Hose.

Dabei sieht Neu Unterschiede bei der Qualität. Viele Kleidungsstücke, die über längere Zeit auf den Markt kamen, hielten nicht besonders lange. Inzwischen beobachte sie eine Entwicklung hin zu besserer Qualität. Gleichzeitig gibt es Kunden, die ältere Kleidung bewusst erhalten und reparieren lassen möchten.

Nachfolge und zweiter Standort

Zur Geschichte des Betriebes gehört auch ein zweiter Standort in Malchow. Marita und Reinhard Neu bauten das Geschäft dort auf. Im Jahr 2000 übernahm Brigitte Würfel die Filiale und führte sie 18 Jahre lang. Die Auftragslage war gut, doch Würfel arbeitete allein und machte viele Überstunden. Als in Röbel eine Näherin aufhörte, kehrte sie mit sechs Jahren bis zur Rente nach Röbel zurück.

Interessenten für die Nachfolge habe es bereits gegeben, sagt Marita Neu. Deren Vorstellungen hätten jedoch nicht immer zu den Anforderungen des Geschäfts gepasst. Aus ihrer Sicht braucht es mindestens zwei bis drei Menschen im Laden und zusätzlich einen Monteur. Die Inhaber und Mitarbeiter würden sich freuen, wenn sich in den kommenden Jahren junge Menschen fänden, die die Schneiderei weiterführen möchten. Denn es zeige sich, dass Reparieren und Weiterverwenden den Menschen wieder wichtiger werden.