Der stählerne Frachtensegler „Parchim“ wurde im August 1889 in Geestemünde, heute ein Stadtteil von Bremerhaven, vom Stapel gelassen. Gebaut wurde das Vollschiff auf der Werft Joh. C. Tecklenborg für die Hamburger Reederei F. Laeisz. Am 11. Oktober 1889 wurde die „Parchim“ in Dienst gestellt.
Ein Frachter für die Chilefahrt
Das Schiff war rund 80 Meter lang und etwa zwölf Meter breit. Es konnte bis zu 2700 Tonnen Salpeter transportieren, der vor allem aus Chile kam und in Europa für Landwirtschaft und Industrie gebraucht wurde. Die wichtigste Route führte um Kap Hoorn an der Südspitze Südamerikas, eine wegen Stürmen, Kälte und schwerer See gefürchtete Gegend.
Die „Parchim“ war ein Arbeitsschiff des Welthandels. Sie brachte keine Passagiere, sondern Fracht – vor allem Salpeter, später auch Weizen. Eingesetzt wurde sie außerdem auf Fahrten nach Japan und zwischen Australien und Europa.
Neue Kraft für schwere Fracht
Am 17. März 1897 wurde auf der „Parchim“ erstmals bei Laeisz eine motorbetriebene Schiffswinde erprobt. Der Antrieb kam von der Motorenfabrik Oberursel und trug den Namen „Gnom“. Für ein Frachtschiff war das ein praktischer Fortschritt, denn Ladung musste in den Häfen schwer bewegt werden. Die „Parchim“ wurde damit zum Versuchsschiff für eine Technik, die später auch auf weiteren Laeisz-Schiffen eingesetzt wurde.
Unter neuer Flagge weiter unterwegs
1912 verkaufte F. Laeisz das Schiff an den Reeder Mathias Lundqvist von den Ålandinseln. Die Inselgruppe liegt in der Ostsee zwischen Schweden und Finnland. Neuer Heimathafen wurde Mariehamn, die Hauptstadt der Ålandinseln.
Nach dem Ersten Weltkrieg fuhr die „Parchim“ vor allem zwischen Australien und Europa. 1919 lag sie in Williamstown in Australien und verlud Weizen, als elf Besatzungsmitglieder wegen Grippe ins Krankenhaus kamen. Einer der Seeleute starb. Im selben Jahr kollidierte die „Parchim“ auf dem Atlantik mit dem dänischen Dampfer „Ribe“. Das Schiff wurde nach Bergen gebracht und dort repariert. 1920 geriet es in einen schweren Atlantiksturm und lief Belfast an.
Kollision, Sturm und das Ende
1925 endete die Laufbahn des Vollschiffs. Nach 36 Jahren Dienst wurde die „Parchim“ nach Schottland zum Abwracken verkauft.
Die Flotte mit den P-Namen
Die „Parchim“ gehörte zur Flotte der Flying P-Liner, der schnellen Segler der Hamburger Reederei F. Laeisz. Dass ihre Namen mit P begannen, hatte Tradition: 1857 hatte die Reederei eine Bark „Pudel“ genannt, nach dem Spitznamen von Sophie Laeisz, der Frau von Carl Laeisz. Berühmt wurden die P-Liner wegen ihrer Geschwindigkeit, ihrer robusten Bauweise und ihrer Erfolge auf langen Frachtrouten. Carl Laeisz’ Anspruch ist überliefert: „Meine Schiffe können und sollen schnelle Reisen machen!“
Zu den bekanntesten P-Linern gehörte die „Preußen“, ein riesiges Fünfmast-Vollschiff. Einige Schiffe der Flotte sind bis heute erhalten: Die „Passat“ liegt als Museumsschiff in Travemünde, die „Peking“ in Hamburg und die „Pommern“ in Mariehamn. Die „Parchim“ war früher unterwegs als viele dieser bekannten Großsegler. Sie lief bereits 1889 vom Stapel, die „Preußen“ folgte 1902, „Passat“ und „Peking“ erst 1911. Damit gehörte sie zu einer früheren Generation der P-Liner.
Laeisz ist heute im Land
Die Verbindung zwischen F. Laeisz und Mecklenburg-Vorpommern blieb nicht auf den Schiffsnamen beschränkt. Heute hat die Reedereigruppe neben Hamburg und Bremerhaven auch Standorte in Rostock und Grabow. In Rostock übernahm Laeisz 1993 Schiffe und Mitarbeiter der Deutschen Seereederei. 2014 eröffnete das Unternehmen zudem ein Büro in Grabow. So führt die Spur von der historischen „Parchim“ bis in die heutige Schifffahrtswirtschaft im Land. Für Parchim bleibt ein besonderer Bezug: Ein Flying P-Liner, der über Kap Hoorn auf die großen Handelsrouten fuhr, trug den Namen der Stadt hinaus in die Welt.