Der bekannte Architekt Heinrich Tessenow, der unter anderem die Neue Wache in Berlin gestaltete, begann seine Laufbahn in Mecklenburg. In Sternberg unterrichtete er an der Baugewerkschule der Stadt, die zum Technikum gehörte. Diese höhere Lehranstalt für Bauberufe prägte seinen frühen Werdegang.
Vom Handwerk zur Lehre in Sternberg
Als Tessenow 1902 nach Sternberg kam, war er Mitte zwanzig. Geboren wurde er am 7. April 1876 in Rostock, gestorben ist er am 1. November 1950 in Berlin. In Sternberg stand er noch am Anfang seines Berufslebens.
Sternberg hatte sein Technikum 1895 bekommen, 1899 folgte ein Neubau. Dort wurden Fachleute für das Bauwesen ausgebildet. Der Unterricht zielte auf praktische Arbeit, nicht auf große Theorie.
Erste Aufträge und spätere Berühmtheit
Schon als früher Auftrag entstand 1902/03 in Sternberg die Pension Schon. Sie gehört zu seinen frühen Arbeiten, lange bevor seine bekannten Bauten entstanden. Später wurde Tessenow einer der prägenden deutschen Architekten des 20. Jahrhunderts.
Sein Name verbindet sich mit dem Festspielhaus in Dresden-Hellerau und vor allem mit der Neuen Wache in Berlin. Sein bekanntestes Werk entstand in Berlin: Tessenow gestaltete die von Karl Friedrich Schinkel errichtete Neue Wache Unter den Linden zu einem Ehrenmal für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs um. 1931 wurde der Umbau eingeweiht.
Mecklenburg blieb fester Bezug
Mecklenburg verschwand aus Tessenows Leben nie. Ausgebildet wurde er zeitweise in Neustadt-Mecklenburg, später lebte er viele Jahre in Neubrandenburg. Von 1919 bis 1943 wohnte seine Familie dort in der Neutorstraße.
Während des Krieges hielt er sich unter anderem in Siemitz bei Güstrow auf. Nach 1945 arbeitete er an Wiederaufbauplanungen für Mecklenburg und Lübeck. Seine großen Lehrstationen lagen in Dresden, Wien und Berlin, doch der Nordosten blieb für ihn mehr als Herkunft.
Vom Technikum zum SS-Postschutz
Das Sternberger Technikum änderte im 20. Jahrhundert mehrfach seine Aufgabe. Im Ersten Weltkrieg diente das Gebäude als Lazarett. 1934 wurde die Lehranstalt aufgelöst, danach übernahm die Reichspost das Haus.
Sie richtete dort eine Postschutzschule ein. Der Postschutz war eine bewaffnete, paramilitärische Einheit der Deutschen Reichspost, die 1933 zunächst zum Schutz von Post- und Verkehrseinrichtungen aufgestellt wurde. Später wurde er enger an die SS gebunden; 1942 wurde daraus der SS-Postschutz.
Heinrich Tessenows oft zitierter Satz lautet: „Das Einfache ist nicht immer das Beste; aber das Beste ist immer einfach.“ In Sternberg klingt er nicht wie ein Spruch für Architekturseminare. Er führt zurück in eine mecklenburgische Bauschule und zu einem jungen Architekten, der das Bauen von der Werkstatt her verstand.