Wenig Pilze im Wald: Trockenheit hilft manchen Arten
Trockenheit: Wenig Pilze, aber manche Arten profitieren

Die Pilzsaison in MV fällt in diesem Herbst bislang vielerorts zu trocken aus. Am Parkplatz im Glienholz im Röbeler Stadtwald zeigt sich: Statt vieler Nebelkappen wie im Vorjahr bleibt der Waldboden weitgehend leer. „Es ist zu trocken“, sagt Anja Mondschein von der Deutschen Gesellschaft für Mykologie.

Regen brachte kurzzeitig Bewegung

Erst Ende September brachte Regen etwas Bewegung in den Wald. Für eine Messe konnte die Sachverständige 170 bis 180 verschiedene Arten zusammentragen. Das Vorkommen von Speisepilzen fällt in diesem Jahr jedoch geringer aus als in anderen Jahren. Weitere Niederschläge könnten die Lage binnen etwa zwei Wochen verbessern, erklärt Mondschein, allerdings trockneten Sonne und Wind den Boden nach Regen schnell wieder aus.

Anfragen zu Giftpilzen und Bestimmung

Mondschein ist seit 2015 geprüfte Pilzsachverständige. Im vergangenen Jahr erreichten sie rund 20 allgemeine Anfragen zur Pilzbestimmung. Hinzu kommen jährlich etwa drei bis vier Fälle, in denen bereits Pilze gegessen wurden und geklärt werden muss, um welche Art es sich handelte. Ein solcher Fall betraf kürzlich ein zweijähriges Kind, das einen Pilz gegessen hatte. Nach einem Anruf bei der Giftnotrufzentrale wurde die Familie an Mondschein verwiesen. Anhand der verbliebenen Merkmale konnte sie die Art bestimmen – häufig arbeitet sie dabei mit dem Mikroskop, da viele Arten nur mikroskopisch sicher zu unterscheiden sind.

Nicht immer geht es um Giftpilze: Auch alte Speisepilze können durch fortschreitenden Eiweißabbau Magen-Darm-Beschwerden verursachen. Die richtige Zubereitung spiele eine große Rolle, so die Expertin. Hallimasch beispielsweise müsse mindestens 20 Minuten ausreichend erhitzt werden. Besonders häufig für Unsicherheit sorgen Champignons, die mit dem giftigen Knollenblätterpilz verwechselt werden können. Auch beim Gallenröhrling lohnt sich genaues Hinsehen – Merkmale wie die Färbung der Röhrenschicht und die Netzzeichnung am Stiel helfen bei der Unterscheidung.

Apps als Orientierung, aber nicht als Bestimmung

Pilz-Apps sieht Mondschein als Hilfsmittel: „Zur Orientierung ist es nicht verkehrt.“ Für eine sichere Bestimmung reiche ein Foto jedoch häufig nicht aus. Pilze würden mit mehreren Sinnen bestimmt – Aussehen, Geruch und Beschaffenheit spielten eine Rolle, in bestimmten Fällen auch eine Geschmacksprobe. Bei Täublingen könne diese zur weiteren Bestimmung dienen, wenn bereits sicher feststeht, dass es sich um einen Täubling handelt. Schmeckt er scharf, kommt er als Speisepilz nicht infrage; ein milder Geschmack kann auf eine essbare Art hinweisen. Die Probe wird anschließend ausgespuckt.

Wer einen unbekannten Pilz zur Bestimmung bringt, sollte ihn möglichst vollständig aus dem Boden entnehmen und nicht abschneiden, da die Stielbasis wichtige Merkmale liefert. Am besten werden zwei oder drei Exemplare derselben Art mitgebracht.

Trockenheit schafft Gewinner

Die Trockenheit wirkt sich nicht auf alle Pilze gleich aus. „Geht es den Bäumen schlecht, geht es den Schmarotzern gut“, sagt Mondschein. Schwefelporling und Krause Glucke gehören zu den Arten, die von geschwächten Bäumen profitieren. Goldröhrlinge bilden eine Mykorrhiza mit Lärchen; vor der Zubereitung sollte bei ihnen ebenso wie beim Butterpilz die Huthaut entfernt werden.

Bei einem Rundgang entdeckt Mondschein schließlich eine Herbst-Lorchel. Als sie den Pilz in die Hand nimmt, steigt eine feine Wolke aus dem Fruchtkörper auf – Sporen, die sich auf den Weg machen.