Die ehemalige Luftwaffenmunitionsanstalt – kurz Muna – Pulverhof 7/XI lag in einem Waldgebiet bei Rastow, südlich von Schwerin. Ab 1936 ließ die Luftwaffe dort auf rund 500 Hektar eine abgeschirmte Anlage errichten, in der Munition gelagert, bearbeitet und für den Weitertransport vorbereitet wurde.
Was heute wie ein abgelegenes Waldstück wirkt, war bis 1945 wichtiger Bestandteil der deutschen Kriegswirtschaft und ein weit verzweigter Komplex. Einige Details sind nur lückenhaft überliefert. Greifbar sind aber die Ausmaße: Dutzende Gebäude, kilometerlange Straßen und Gleise, Hunderte Bunker.
Getarnt und an die Bahn angeschlossen
Zu der Anlage gehörten etwa 26 Verwaltungsgebäude, Baracken und Lager, rund 15 Kilometer Gleisanlagen, etwa 20 Kilometer Straßen und bis zu 250 Bunker beziehungsweise Lager- und Montagebauten. In Spitzenzeiten arbeiteten 600 bis 800 Menschen auf dem Gelände – militärisches Personal, zivile Beschäftigte und Zwangsarbeiter.
Der Wald tarnte den Standort aus der Luft, große Abstände sollten im Fall einer Detonation Schäden begrenzen. Entscheidend war auch der Bahnanschluss: Munition konnte auf dem Gelände verladen und per Zug weitertransportiert werden.
V1-Spuren und enorme Mengen Sprengstoff
Ab 1944 spielte die Munitionsanstalt auch bei den sogenannten V-Waffen eine Rolle. Dort lagerten V1-Komponenten, zudem sind Montagearbeiten überliefert. Die V1, offiziell Fieseler Fi 103, war ein unbemannter Marschflugkörper, den die NS-Propaganda als „Vergeltungswaffe“ bezeichnete. Eingesetzt wurde sie unter anderem gegen London und Antwerpen.
Ein amerikanischer Soldat berichtete später von einem V1-Montagewerk und 60 einsatzbereiten Flugkörpern. Nach seiner Schilderung hätten die dort lagernden Spreng- und Kampfstoffe im Umkreis von etwa 30 Kilometern verheerende Zerstörungen anrichten können.
Der Angriff auf den Munitionszug
Kurz vor Kriegsende, am 17. April 1945, wurde ein Munitionszug im Umfeld der Muna bei einem Luftangriff getroffen. Nach regionalen Angaben war der Zug vom Nebengleis Pulverhof in Richtung der Strecke Rastow–Schwerin unterwegs. Die Ladung detonierte und verwüstete den Bereich um den Zug.
Später aufgenommene amerikanische Filmaufnahmen zeigen ein schwer zerstörtes Areal: zerrissene Flächen, verstreute Trümmer, umgestürzte Bäume. Auch ein britisches Flugzeug ist zu sehen, das demnach von der Detonation des Munitionszuges erfasst wurde, den es zuvor angegriffen hatte.
Mit diesem Angriff werden nach älteren Recherchen bis zu 82 Opfer unbekannter Nationalität auf der Kriegsgräberanlage des Uelitzer Friedhofs in Verbindung gebracht. Der genaue Ablauf des Angriffs ist bis heute nicht vollständig geklärt.
Zwangsarbeit im Umfeld der Anlage
In der Region wurden während des Krieges Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene eingesetzt. Dazu gehörten auch italienische Soldaten, die nach Italiens Seitenwechsel 1943 von Deutschland nicht als reguläre Kriegsgefangene behandelt, sondern als Arbeitskräfte verschleppt wurden.
Im Frühjahr 1945 erreichte zudem ein Treck von rund 1.000 britischen Kriegsgefangenen den Raum Rastow. Ein Teil wurde dort zeitweise untergebracht. Einige mussten an Gleisanlagen arbeiten.
Nach 1945 blieb die Gefahr
Nach Kriegsende wurden noch vorhandene Gebäude und Baracken zunächst provisorisch genutzt, unter anderem durch Besatzungstruppen und zur Unterbringung von Umsiedlern. Auch die kasernierte Volkspolizei wird in der Nachkriegsgeschichte des Standortbereichs genannt.
1948 wurden sämtliche Baracken abgerissen, Anlagen gesprengt oder zurückgebaut. Baustoffe aus dem Gelände wurden für das Neubauernprogramm weiterverwendet. Zurück blieben Ruinenreste, alte Trassen, Fundamente und überwachsene Spuren im Wald.
Im Boden blieben Munitionsteile, Kampfmittel und mögliche Schadstoffbelastungen zurück. Der Munitionsbergungsdienst ging für das Gelände von luftwaffentypischen Kampfmitteln aus – darunter Flakmunition, Bordwaffenmunition und Bomben unterschiedlicher Größen. Für private Erkundungen ist dieser geschichtsträchtige Ort tabu.