Zwei grüne Toiletten: Stadt Pasewalk reagiert nach Bahnhofs-Video
Zwei grüne Toiletten: Stadt Pasewalk reagiert nach Video

Nach einem viralen Video über den verdreckten Pasewalker Bahnhof hat die Stadt innerhalb eines Tages gehandelt: Seit Donnerstag stehen vor dem Gebäude zwei grüne mobile Toiletten. Die Stadt Pasewalk hilft damit Reisenden und fordert zugleich den Eigentümer des Bahnhofs auf, seiner Verantwortung nachzukommen.

Mitarbeiter des Eigenbetriebs rücken an

Die Mitarbeiter des Eigenbetriebs Abwasserbeseitigung stellten die Toiletten auf. Abwassermeister Andreas Ladisch, der technische Mitarbeiter Michael Zockowski-Kleis und Ben Meyhack, Auszubildender im Bereich Umwelttechnik und Abwasser, packten mit an. Betriebsleiter Jan Wüst hatte die Aufnahmen am Mittwochabend auf Facebook gesehen und Kontakt mit Bürgermeister Danny Rodewald aufgenommen. Am nächsten Morgen suchten sie eine kurzfristige Lösung.

Dresdner dokumentiert Zustand der Bahnhofshalle

Maik Zeuge aus Dresden, im Netz als Tramfluencer bekannt, war am Montag in Pasewalk unterwegs, um Freunde zu besuchen. Beim Umsteigen blieben ein paar Minuten, die er für einen Blick in die Bahnhofshalle nutzte. Was er dort vorfand, ließ ihn zum Handy greifen: Fäkalien in der Halle und ein extremer Gestank. „Dort war es eben einfach nur erschreckend“, sagte Zeuge dem Nordkurier.

Sein Video traf einen Nerv: Rund 780 Kommentare sammelten sich unter dem TikTok-Beitrag. „Fahren da noch Züge?“, fragte ein Nutzer. Andere erinnerten sich an einen Bahnhof, an dem es einst in der Mitropa Kaffee und Bockwurst gab.

Stadt kennt den Missstand seit Februar

Zeuge betont, er habe weder Pasewalk noch seine Bewohner beschimpfen wollen. Ihm gehe es um die verdreckte Halle und darum, dass Reisende keine Toilette nutzen könnten. Dass das Gebäude nicht mehr der Deutschen Bahn gehört, habe er erst aus den Kommentaren erfahren. Auch die Bahn habe unter seinem Video die Eigentumsverhältnisse erläutert und auf Kontakt zum Eigentümer verwiesen.

Neu ist der Missstand nicht: Seit Februar weiß die Stadt von den Problemen mit der WC-Anlage. Sie informierte das Gesundheitsamt, gemeinsame Vor-Ort-Termine folgten. Weil der Eigentümer auf erforderliche Maßnahmen nicht reagierte, schloss das Gesundheitsamt die Toiletten im März.

Eigentümer bleibt verantwortlich

„Wir sind in unserem Handeln derzeit eingeschränkt“, erklärt Wüst. Das Gebäude samt WC-Anlage ist in Privatbesitz. Die Stadt ist weder Eigentümerin noch Betreiberin. Bürgermeister Danny Rodewald wird in seiner Pressemitteilung deutlich: „Eigentum verpflichtet.“ Er fordert den Eigentümer auf, seiner Verantwortung unverzüglich und dauerhaft nachzukommen. Weitere ordnungsrechtliche Maßnahmen sollen mit den zuständigen Behörden geprüft und, soweit zulässig, eingeleitet werden.

Die Reinigung übernimmt die Stadt. Was Aufstellung und Betrieb kosten und wer bezahlt, ist noch offen. Jan Wüst versichert: „Wir werden natürlich darauf achten, dass wir die damit entstehenden Kosten nicht auf den Gebührenschuldner umlegen.“ Geplant sind Toilettencontainer auf einer Fläche der Bahn. Dafür fehlt laut Wüst noch die abschließende Landesentscheidung zur Kostenübernahme. Einen Starttermin gibt es nicht. Bis dahin sollen die beiden grünen Kabinen helfen. Den Eigentümer entlastet das nicht: Für die WC-Anlage im Gebäude bleibt er verantwortlich.