Die Traditionsbäckerei Denzien aus Ludwigslust steht vor einem Generationswechsel und einem möglichen Umzug. Der Enkel Luca Denzien hat im September seine Gesellenprüfung bestanden und plant, die Familienbäckerei in fünfter Generation weiterzuführen. Sein Großvater Mario Denzien sucht derweil ein Grundstück nahe Schwerin für einen Neubau.
Einziger Bäcker-Geselle im Jahrgang
Luca Denzien war in diesem Jahr der einzige von insgesamt fünf Prüflingen, der die Gesellenprüfung bei den Bäckern bestand. Das bestätigt Michél Krüger, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Westmecklenburg Süd. Die schriftliche Abschlussprüfung wurde dieses Jahr erstmals innungsübergreifend in ganz Mecklenburg-Vorpommern am selben Tag abgelegt. Auch die Prüfungsfragen in Fächern wie Wirtschafts- und Sozialkunde wurden vereinheitlicht.
Das könne ein Grund für die hohe Durchfallquote sein, so Krüger. Oft liege es aber auch daran, dass das Handwerk unterschätzt werde. „Von zehn Auszubildenden, die anfangen, kommen fünf schließlich zur Abschlussprüfung“, meint Krüger. Das Berufliche Bildungszentrum Ludwigslust-Parchim betont: „Wer Bäcker werden will, muss ganz schön viel drauf haben und neben dem handwerklichen Geschick auch die Theorie beherrschen.“
Pläne des Seniors: Umzug nach Schwerin
Großvater Mario Denzien hat mit Ludwigslust abgeschlossen und plant den Umzug nach Schwerin. Dort verkauft er mittlerweile über 300 Brote, hauptsächlich auf den Märkten der Landeshauptstadt. Die Nachfrage sei dort höher und die Klientel anders: „freundlicher und wertschätzender“, so der Senior. Er sucht aktuell ein Grundstück nahe Schwerin, das sich für einen Neubau für industrielles Backen eignet und gut angebunden ist.
Für Luca Denzien geht es zunächst nach Dresden, wo er ab Januar in Vollzeit seinen Meister machen wird. Das Thema industrielles Backen und Neubau nahe Schwerin rückt für ihn vorerst in den Hintergrund.
Generationenwechsel in der Backstube
1987 übernahm Mario Denzien die Führung der Bäckerei. Sein Großvater Bernhard Denzien hatte sie in Ludwigslust gegründet und aufgebaut. „Zu DDR-Zeiten haben wir teilweise tagelang nahezu durchgebacken und haben zwischenzeitlich mal drei Stunden geschlafen“, erinnert sich Mario Denzien. Seither habe sich einiges verändert.
Wie ihr Sohn Luca lernte auch Annika Denzien das Bäckerhandwerk von ihrem Vater und übernahm 2023 die Geschäftsführung. Sie steht aktuell täglich in der Backstube, bereitet Teig vor, bedient die Maschinen und steht zusätzlich auf den Märkten. Seit Beginn seiner Lehre arbeitet auch Luca in der Backstube mit.
Bezüglich der großen Pläne ihres Vaters hält sich Annika Denzien bedeckt. In der Zeit, in der Luca im Internat in Dresden sein wird, wird die Situation in der Backstube auch ohne Neubau herausfordernd. Ob und wie sich ein Standortwechsel in die Nähe der Landeshauptstadt realisieren lässt, bleibt abzuwarten.