„Zutiefst beschämend“: Bugewitzer fordern Rücktritt von Bürgermeister Lehmann
Bugewitz: Rücktrittsforderungen gegen Bürgermeister Lehmann

In der jüngsten Sitzung der Gemeindevertretung in Bugewitz hat Bürgermeister Lutz Lehmann keine Stellung zu den Vorwürfen bezogen, er habe ein verbotenes NS-Musikstück in seinem Whatsapp-Status veröffentlicht. In der ersten öffentlichen Sitzung nach dem Vorfall blieb das Gemeindeoberhaupt wortkarg. Lehmann selbst hatte das Geschehen auf Nachfrage des Nordkurier als „Missgeschick“ eingeordnet.

Verbotenes Liedgut im Whatsapp-Status

An einem Sonntagabend im August 2026 war in Lehmanns persönlichem Telefonstatus das sogenannte „Horst-Wessel-Lied“ für eine gewisse Zeit sichtbar – für jeden, der seine Telefonnummer gespeichert hat und den Nachrichtendienst Whatsapp nutzt. Nach einer Strafanzeige nahm der Staatsschutz der Kripo Anklam die Ermittlungen auf.

In der Versammlung arbeitete Lehmann sich kommentarlos an den Tagesordnungspunkten ab. Er berichtete über einen möglichen Bauantrag für ein neues Feuerwehrgerätehaus, die Einweihung der neuen Brücke über den Mühlgraben und den Pachtvertrag mit dem neuen Kneipenwirt.

Einwohner fordern Konsequenzen

Mehr als zwei Dutzend Einwohner hatten sich im Gemeindesaal versammelt. In der Einwohnerfragestunde forderten einige eine Einordnung zu der Strafsache. Lehmann sagte, er könne sich wegen des laufenden Verfahrens nicht äußern.

Ein Teil der Einwohnerschaft verlangte daraufhin, dass sich der Bürgermeister von der mutmaßlichen Tat distanziere und seine Amtsgeschäfte bis zur Aufklärung ruhen lasse. Auch sein Rücktritt wurde gefordert, mit Vorwürfen wie „das Maß ist voll“ und „zutiefst beschämend“.

Ein anderer Einwohner argumentierte, man könne von jemandem, der seit über 20 Jahren Mitglied in einer Gemeindevertretung ist, erwarten, dass er Verantwortung übernimmt. Es gab aber auch Stimmen, die Partei für den Bürgermeister ergriffen und zunächst das Ende der Ermittlungen abwarten wollten.

Frust und offene Fragen

Schmallippig und fast trotzig ließ Lehmann die Vorwürfe über sich ergehen, die sich zunehmend von der mutmaßlichen Straftat abwandten und sich emotional gegen das Gemeindeoberhaupt richteten. So werde er nicht aktiv genug gegen eine illegale Grünschnittdeponie vorgehen, auf der auch anderer Müll entsorgt werde. Auch arbeite er intransparent, reagiere nicht auf Mails und wirke untätig oder gar parteiisch auf einen Nachbarschaftsstreit im Ortsteil Kalkstein ein.

Am 4. November um 18 Uhr findet eine Einwohnerversammlung statt, die helfen soll, den Unmut abzubauen. Einberufen wurde die Veranstaltung von Manfred Schreiber und Paula Hollunder. Ziel sei, dass alle Probleme auf den Tisch kommen und jeder „sagen kann, wo ihn der Schuh drückt“. Ob Lehmann dabei sein wird, ließ er offen.

Bereits Ende September teilte der zuständige Gemeindewahlleiter mit, dass nach dem Rücktritt einer Gemeindevertreterin aus der Wählergemeinschaft Bugewitz keiner der vier möglichen Ersatzpersonen der Wahlliste das Mandat übernehmen werde. Die Gemeindevertretung setze sich künftig aus fünf Mitgliedern und dem Bürgermeister zusammen.