Ilse Ulrich und ihr Mann Günter haben es getan, und das nicht zum ersten Mal. Die beiden Senioren, 82 und 84 Jahre alt, sind aus 4000 Metern Höhe mit Tandempartnern aus einem Flugzeug gesprungen. Erst im freien Fall, dann ab 1500 Metern Höhe gleitend am Fallschirm.
Besonderes Geschenk ihres Sohnes
Für die beiden rüstigen Senioren war es nicht der erste Sprung aus großer Höhe. Ehemann Günter ist zuvor schon dreimal gesprungen, seine Frau Ilse zweimal. Der jetzige Ausflug in große Höhen über dem Flugplatz Neustadt-Glewe ist ein Geschenk ihres Sohnes Thomas Ulrich.
Der 56-Jährige ist schon seit Jahrzehnten Fallschirmspringer und arbeitet als selbstständiger Industriekletterer. Da die Sprünge seiner Eltern schon eine Weile her waren, gab es nun den Wunsch, es noch einmal zu wagen.
Sprung mit neuen Knien und gelaserten Augen
Die beiden Senioren hatten sich darauf vorbereitet, mit neuen Knien und auch mit gelaserten Augen bei Ilse. Die beiden kommen eigentlich aus Tessenow, wohnen jetzt aber betreut in Parchim.
Ilse war lange Grundschullehrerin und hat das Erzählen nicht verlernt. Günter hat Maschinenbau studiert, früher im Kreisbetrieb für Landtechnik gearbeitet und später für ein Unternehmen in der Region gearbeitet.
Beide sind vor dem Sprung locker drauf und werden von den Fallschirmsportlern sehr freundlich begrüßt. Kein Wunder, waren doch beide immer wieder auf dem Flugplatz, weil Sohn Thomas dieses Hobby schon sehr früh für sich entdeckt hatte. Thomas, den hier alle Uli nennen, ist noch der Nervöseste an diesem Tag.
Sprungabenteuer musste mehrfach verschoben werden
Der Sprung der mutigen Senioren musste mehrfach verschoben werden, zum einen aus gesundheitlichen Gründen zum anderen musste das Wetter passen. Nun ist es ideal, etwas mehr als 20 Grad auf dem Boden, in 4000 Meter sollen es minus zwei Grad sein.
Angst haben die beiden erkennbar nicht, es herrscht Vorfreude. Das Gefühl, im freien Fall der Erde entgegenzurasen, sei kaum zu beschreiben. Der Minute im freien Fall folgen dann die ruhigen Minuten am Schirm mit der sicheren Landung.
Die ganze Familie, nebst Enkelin und Freund, sind an diesem Tag da. Wie es sich für die Familie Ulrich gehört, sind alle schon Fallschirm gesprungen. Auch der Freund der Enkelin musste da durch.
Souveräne Sprünge mit perfekten Landungen
Es dauert an diesem Tag, bis es so weit ist. Die Schirme müssen gepackt werden, es herrscht viel Betrieb mit Fallschirmschülern und den anderen Springern. Schließlich bekommen die beiden Senioren dann doch ihre Anzüge und die Einweisungen. Die Brille kann aufbleiben, es gibt noch eine extra Schutzklappe mit einer Überbrille, dann geht es los.
Ohne zu zögern, klettern alle in den lauten und schon am Boden etwas wackligen Flieger, der bis zu 18 Personen fasst. Dann schraubt sich die Maschine auf 4000 Meter Höhe. Wenig später sind am Himmel die dunklen Punkte der Schirmkappen zu erkennen und dann landen Ilse und Günter auch schon souverän.
Nur Sohn Uli musste unten bleiben, in letzter Sekunde wurde ein Problem an seinem Schirm entdeckt. Er wäre zwar gern mit seinen Eltern gesprungen, tat es aus Sicherheitsgründen aber nicht.
Beide Senioren zögerten nicht beim Sprung
„Ich habe die Autobahn gesehen, die Lewitz-Teiche, die Stadt, die Autos“, schwärmt Ilse direkt nach dem Sprung, bevor sie sich erst einmal ein Glas Sekt genehmigt. Ihr Mann Günter ist noch etwas benommen und freut sich etwas leiser.
Die beiden Tandempartner, mit denen die Senioren aus dem Flugzeug kippten, heben die Daumen. Beide seien ohne zu zögern gesprungen und hätten den Sprung genossen. Ob es noch einen Sprung geben wird, ist für das Ehepaar direkt nach dem Sprung noch nicht klar. Trotz allen Mutes und aller Erfahrung ist die gesamte Familie doch froh, sicher und zusammen auf dem Boden zu sein.