Schwelbrände in MV: Diese Regionen sind besonders gefährdet
Schwelbrände in MV: Diese Regionen sind gefährdet

In Mecklenburg-Vorpommern drohen langwierige Schwelbrände in Mooren. Fachleute vom Greifswalder Moor Centrum und vom Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie Mecklenburg-Vorpommern (LUNG MV) halten langwierige Untergrund- und Schwelbrände im Nordosten grundsätzlich für möglich.

Besonders anfällig: tief entwässerte Moore

Hans Joosten vom Greifswalder Moor Centrum sagt, besonders anfällig seien tief entwässerte Moorgebiete, vor allem dort, wo sie bewaldet sind oder nicht mehr genutzt werden. Entscheidend sei der Wasserstand: „Je tiefer der Wasserstand, umso größer wird die Chance auf Torfbrände.“

Das LUNG nennt degradierte und entwässerte Niedermoore als besonders sensible Flächen. Mehr als 90 Prozent der Moore Mecklenburg-Vorpommerns seien historisch für Land- und Forstwirtschaft entwässert worden. Ebenfalls riskant seien ehemalige Torfabbauflächen sowie lichte Nadelbaumforste auf sandigen Böden.

Der Boden als Brennstoff

Torf besteht aus unvollständig zersetzten, kohlenstoffreichen Pflanzenresten. Trocknet er aus, wird er zum Brennstoff. Während bei einem Vegetationsbrand vor allem Gras, Streu, Gebüsch oder Totholz brennen, kann sich bei Mooren die Torfschicht selbst entzünden. Das Feuer läuft dann nicht offen über die Fläche, sondern glimmt im Untergrund weiter.

Das LUNG beschreibt diese Brände als glimmende Verbrennung ohne sichtbare Flammen. Sauerstoff dringt über Risse und Poren in tiefere Bodenschichten. Die Brandfront arbeitet sich langsam voran – oft nur wenige Meter pro Tag, dafür aber fast unsichtbar. Von außen sind häufig nur Rauch, Hitze oder später neue Ausbrüche zu erkennen.

Diese Regionen sind besonders gefährdet

Fachleute vom LUNG sehen vor allem dort erhöhte Gefahr, wo entwässerte Moore, trockene Wälder und organische Böden zusammenkommen. Besonders auffällig sind drei Räume im Land.

  • Ludwigslust-Parchim: Der Landkreis gilt als besonders heikel, weil dort sandige Kiefernforste auf ehemaligen und aktiven Truppenübungsplätzen liegen. Rund um Lübtheen verschärft die Kampfmittelbelastung die Lage zusätzlich. Dort brannten 2019 rund 1200 Hektar Wald.
  • Mecklenburgische Seenplatte: Auch sie zählt zu den sensiblen Gebieten. Das LUNG verweist auf ein Mosaik aus Landwirtschaft, Wald und weitläufigen Mooren. Gerade im südlichen Teil sinken demnach die Wasserspiegel oberflächennaher Grundwasserleiter. Schwelbrände könnten sich hier unbemerkt in Moor-Wald-Übergangszonen ausbreiten.
  • Vorpommern-Greifswald: Hier kommen trockene Waldgebiete, großflächige Niedermoore und vergleichsweise geringe Niederschläge zusammen. Besonders kritisch können laut LUNG landwirtschaftlich genutzte Randmoore und trockenfallende Schilfgürtel werden. Als neuralgischer Raum gilt auch die Ueckermünder Heide.

Löschen ist kompliziert

Trockene Torfböden können wasserabweisend werden. Löschwasser fließt dann an der Oberfläche ab, statt bis zum eigentlichen tiefer liegenden Brandherd vorzudringen. Hinzu kommt die Wassermenge: Nach Angaben von Joosten braucht man bei einem um einen Meter abgesenkten Wasserstand rund eine Million Liter Wasser pro Hektar, um den Torfkörper wieder vollständig zu sättigen. Gerade in Trockenperioden fehlt diese Wassermenge oft in der Nähe.

Mecklenburg-Vorpommern hat mehrere dieser Brandereignisse in den vergangenen Jahren erlebt. Zwei davon: Göldenitz 2023 und Lübtheen 2019. Nach Angaben des LUNG waren in Göldenitz rund 80 Hektar Torfmoor-, Schilf- und Waldflächen betroffen. Lübtheen 2019 war der bislang größte Waldbrand in MV – dort brannten rund 1200 Hektar Wald und trockener Boden. Besonders heikel sind solche Einsätze auch dann, wenn Flächen munitionsbelastet sind und Einsatzkräfte nicht überall direkt an den Brandherd herankommen.

Rauch, Schadstoffe, Einsturzgefahr

Moorbrände sind nicht nur wegen der Dauer gefährlich. Nach Angaben des LUNG entstehen bei Schwelbränden hohe Konzentrationen von Kohlenmonoxid und Feinstaub. Hinzu kommen Schadstoffe wie Benzol, Formaldehyd, Phenole und polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe. Weil der Rauch oft in Bodennähe bleibt, kann er für Menschen und Tiere unmittelbar gefährlich werden.

Dazu kommt die Gefahr unter den Füßen: Wenn Torf im Untergrund ausbrennt, können Hohlräume entstehen. Das LUNG warnt deshalb vor akuter Einsturzgefahr auf Brandflächen.

Wiedervernässung als wirksamster Schutz

Bei der Vorsorge sind sich Wissenschaft und Fachbehörde einig. Aus Sicht des LUNG ist die Wiederherstellung des natürlichen Bodenwasserhaushalts die einzig effektive Maßnahme zur Prävention solcher Bodenbrände. Joosten sagt dazu einen einfachen Satz: „Wasser brennt nicht.“