In der Nähstube von Marita Neu in Röbel klingelt das Türglöckchen mal ständig, dann bleibt es auch einmal länger ruhig. Wie viele Kunden an einem Tag kommen, lässt sich kaum vorhersagen. Besonders im Frühjahr und Herbst häufen sich die Aufträge, während es im Sommer sowie im Januar und Februar meist ruhiger wird.
Von 23 Beschäftigten zu drei Näherinnen
Seit 51 Jahren arbeitet die Röblerin in ihrem Beruf und hat erlebt, wie sehr sich das Geschäft in dieser Zeit verändert hat. Angefangen hat sie zu DDR-Zeiten im Dienstleistungskombinat. Mit der Wende folgte der Schritt in die freie Wirtschaft. Das Angebot wurde erweitert, unter anderem kamen die Fertigung und Änderung von Gardinen sowie Montagearbeiten hinzu. Gleichzeitig musste die Belegschaft deutlich verkleinert werden. „Wir waren damals 23 Leute“, erinnert sie sich. Danach blieben fünf Beschäftigte.
Heute arbeiten noch drei Näherinnen im Geschäft. Zum Angebot gehören Änderungs- und Reparaturarbeiten ebenso wie die Anfertigung von Gardinen. Außerdem ist die Schneiderei Annahmestelle für eine Reinigung in Güstrow und eine Wäscherei in Teterow. Zum Betrieb gehört zudem ein Monteur, der Gardinen und Plissees montiert sowie Insektenschutz anbringt.
Nachfolger gesucht: Allein ist es nicht zu schaffen
Mit Blick auf die kommenden Jahre beschäftigt Marita Neu die Frage, wer den Betrieb einmal weiterführen könnte. Interessenten habe es bereits gegeben, allerdings hätten deren Vorstellungen nicht immer zu den Anforderungen des Geschäfts gepasst. „Alleine ist es nicht zu schaffen“, sagt sie. Aus ihrer Sicht braucht es mindestens zwei bis drei Menschen im Laden und zusätzlich einen Monteur.
Wie sehr sich der Umgang mit Kleidung verändert hat, erlebt sie immer wieder. Manche Kunden bringen sehr günstig gekaufte Hosen zum Kürzen und stellen beim genannten Änderungspreis fest, dass die Änderung beinahe so viel oder sogar mehr kostet als das Kleidungsstück selbst. Dann fällt auch schon einmal der Satz, für nur wenig mehr Geld gebe es schließlich eine neue Hose.
Dabei sehe sie durchaus Unterschiede bei der Qualität. Über längere Zeit seien viele Kleidungsstücke auf den Markt gekommen, die nicht besonders lange hielten. Inzwischen beobachtet sie wieder eine Entwicklung hin zu besserer Qualität. Gleichzeitig gibt es Kunden, die ältere Kleidung bewusst erhalten und reparieren lassen möchten.
Ein zweiter Standort in Malchow und die Suche nach Nachwuchs
Zur Geschichte des Betriebes gehört auch ein zweiter Standort in Malchow. Marita und Reinhard Neu bauten das Geschäft dort auf. Im Jahr 2000 übernahm Brigitte Würfel die Filiale und führte sie 18 Jahre lang weiter. Die Auftragslage war gut, Würfel arbeitete jedoch allein und hatte entsprechend viele Überstunden. Als in Röbel eine Näherin aufhörte, kam die Frage auf, ob sie zurückkehren wolle. Mit noch sechs Jahren bis zur Altersrente entschied sie sich wieder für ein Angestelltenverhältnis und kehrte nach Röbel zurück.
Die Inhaber und Mitarbeiter würden sich sehr freuen, wenn sich in den kommenden Jahren junge Menschen fänden, die die Schneiderei weiterführen möchten. Denn es zeige sich, dass Reparieren und Weiterverwenden den Menschen wieder wichtiger werden.