Bundeswehr Hagenow öffnet Tore: 292 Schüler erleben Soldatenalltag
Bundeswehr Hagenow: 292 Schüler erleben Soldatenalltag

Rund 292 Schülerinnen und Schüler aus der Region haben beim Informationstag der Bundeswehr in Hagenow einen ungewöhnlichen Einblick in den Soldatenalltag erhalten. Die Jugendlichen, darunter auch von der Regionalen Schule „Rudolf Tarnow“ aus Boizenburg, erlebten unter anderem einen Schützenpanzer Marder aus nächster Nähe, kamen mit Soldaten ins Gespräch, übten Wiederbelebung und fuhren in einem Militärfahrzeug durch die Kaserne.

Breites Spektrum: Von Sanitätern bis Scharfschützen

An den einzelnen Stationen wurde deutlich, wie breit das Aufgabenspektrum an einem Bundeswehrstandort ist. Panzergrenadiere berichteten von ihrem Dienst, Sanitäter zeigten ihre Ausrüstung und übten mit den Schülern Wiederbelebungsmaßnahmen. Beim Versorgungsbataillon ging es um Transport und Logistik. Auch Scharfschützen gaben Einblicke in ihre Arbeit.

Eine Hochglanzpräsentation sollte daraus ausdrücklich nicht werden. „Die Soldaten sind nicht vorgebrieft. Sie erzählen einfach, was hier Alltag ist und wie das abläuft“, sagt der Presseoffizier des Standortes. Fragen waren ausdrücklich erwünscht und wurden von denen beantwortet, die täglich in diesen Bereichen arbeiten.

Veränderte Sicherheitslage spürbar

Wie sehr sich die Anforderungen an die Truppe verändert haben, wurde bei der Grundausbildungskompanie deutlich. Beim „Leben im Felde“ erfuhren die Schüler, wie Soldaten unter Bedrohung möglichst unauffällig agieren. Selbst ein Feuer muss so angelegt werden, dass es kaum zu sehen ist. Zugleich gilt es, Wärmesignaturen zu vermeiden, die von Drohnen erkannt werden könnten.

Die veränderte Sicherheitslage ist inzwischen auch für Besucher der Kaserne spürbar. Noch vor zwei Jahren durfte auf dem Gelände wesentlich freier fotografiert werden. Seit Februar gelten strengere Vorgaben. Gesichter und Klarnamen von Soldaten dürfen nicht mehr ohne Weiteres veröffentlicht werden, Film und Fotoaufnahmen sind stark eingeschränkt.

„Früher war es gewollt, dass Soldaten aus ihrem Alltag erzählen und das auch in den sozialen Medien zeigen“, sagt der Presseoffizier. Heute gehe man damit deutlich zurückhaltender um. Von der Öffentlichkeit zurückziehen wolle sich die Truppe deshalb nicht. „Wir wollen kein Staat im Staate sein, sondern Teil der Gesellschaft.“

Vom Pilotprojekt zum festen Termin

Gelegenheiten für einen solchen Blick hinter die Kasernentore gibt es zweimal im Jahr. Was vor fünf Jahren als Pilotprojekt begann, hat sich längst etabliert. Jeweils im April und September stehen rund 300 Plätze zur Verfügung. Die Organisation übernimmt die Bundeswehr gemeinsam mit dem Karriereberatungsbüro in Schwerin.

„Das hat sich sehr gut etabliert und herumgesprochen“, sagt Mike Stiehler von der Schweriner Karriereberatung. Mittlerweile müsse die Bundeswehr bei den Schulen kaum noch für das Angebot werben. „Heute fragen die Schulen von sich aus an, ob sie wieder in dieses Programm reinkommen können.“

Dabei entdecken manche Teilnehmer Möglichkeiten, die sie mit der Bundeswehr zuvor kaum verbunden haben. Neben militärischen Laufbahnen gibt es zivile Ausbildungen, Beamtenlaufbahnen und Studienmöglichkeiten. Stiehler beschreibt die Auswahl bildhaft: „Die Bundeswehr ist wie ein riesengroßer Blumenstrauß und für jeden ist eine Blume dabei.“

Wie viele der Teilnehmer später tatsächlich diesen beruflichen Weg einschlagen, lässt sich nicht beziffern. Stiehler beobachtet jedoch, dass sich nach den Besuchen regelmäßig Schüler in Schwerin melden und ausführlicher beraten lassen. Für die einen endet damit ein ungewöhnlicher Schultag hinter dem Kasernentor. Für andere beginnt dort womöglich die Suche nach dem passenden Beruf.