Der Fund eines Giftstoffes im DHL-Express-Depot in Leizen bei Röbel hat auch am Mittwochmorgen noch Auswirkungen auf den Betrieb. Am Dienstagabend war in dem Zustellzentrum ein Gefahrstoff gefunden worden. Es soll sich um Quecksilber handeln. Eine Zustellerin hatte sich am Dienstag mit gesundheitlichen Beschwerden bei der Polizei gemeldet. Sie hatte nach eigener Aussage bereits am vergangenen Freitag während ihrer Tätigkeit als Zustellerin Kontakt mit einer Flüssigkeit.
Depot bleibt geschlossen
Der Einsatz von Polizei und Feuerwehr im Bereich des Paketzustellzentrums dauert weiterhin an. Im Laufe des Tages sind weitere polizeiliche Maßnahmen vorgesehen. Wie eine Polizeisprecherin gegenüber dem Nordkurier sagte, bleibe das Depot so lange geschlossen, bis man ausschließen könne, dass es sich um einen gefährlichen Stoff handelt. DHL bestätigt dem Nordkurier: „Da einzelne Zustelltouren heute vorsorglich nicht durchgeführt werden können, kann es in Leizen und Region vereinzelt zu Verzögerungen in der Brief- und Paketzustellung kommen. Wir bitten betroffene Kundinnen und Kunden um Verständnis.“
Für Mitarbeiter des Depots ist Warten angesagt, das Gebäude bleibt für sie gesperrt. Die Zusteller stehen vor der Betriebsstätte, als würden sie streiken.
Einsatzkräfte vor Ort
Die Polizeisprecherin bestätigt, dass die Zahl der Einsatzkräfte im Laufe des Tages wohl noch zunehmen werde. Unter anderem ist die Analytische Taskforce (ATF) vor Ort – eine Spezialeinheit des Bevölkerungsschutzes zur Erkennung und Bekämpfung von atomaren, biologischen und chemischen Gefahren. Sie hat Proben von dem Stoff genommen.
Am Dienstagabend waren etwa 30 Polizeikräfte von Kripo über Spurensicherung bis Bereitschaftspolizei vor Ort, so die Sprecherin. Außerdem weitere etwa 45 Kameraden der Feuerwehr. Sie war mit dem Gefahrgutzug des Landkreises vor Ort.
Proben im Labor
Bei der betroffenen Paketzustellerin wurden auch die privaten Räumlichkeiten in Röbel durch Einsatzkräfte gesichert. Proben eines möglicherweise gefährlichen Stoffes konnten durch Spezialkräfte der Feuerwehr gesichert und zur weiteren Untersuchung in ein Labor nach Hamburg gebracht werden – genau wie die Proben der ATF. Dort wird derzeit eine Analyse durchgeführt. Bis ein belastbares Ergebnis vorliegt, können bis zu zwei Tage vergehen.
Die 50-jährige Frau wurde am Dienstag vorsorglich in einem Krankenhaus untersucht. Sie konnte das Krankenhaus zwischenzeitlich wieder verlassen. Am Freitag kam es in Neustadt-Glewe ebenfalls zu einem Vorfall. Zwei Frauen wurden durch Kontakt mit Quecksilber vergiftet. Ermittler prüfen derzeit einen möglichen Zusammenhang zwischen den beiden Fällen.
Ungewisse Zukunft für Zusteller
Von der DHL-Bereichsleitung hieß es, dass sie dringend auf weitere Informationen angewiesen sei, damit die Zustellung sich nicht noch weiter verzögere. Eine genaue Zeitangabe konnte die Polizei aber nicht geben.
DHL selbst betonte, die Sicherheit und das Wohlergehen der Mitarbeiter hätten höchste Priorität. „Erfreulicherweise sind alle Mitarbeitenden wohl auf. Der reguläre Post- sowie Paketversand in der Region sind nicht beeinträchtigt. Wir unterstützen die laufenden Untersuchungen der zuständigen Behörden“, so ein Unternehmenssprecher. An Spekulationen werde man sich aber nicht beteiligen.
Angst davor, auch etwas Gefährliches in den Paketen zu transportieren und dabei gesundheitlichen Schaden zu nehmen, hatten Befragte unter den Postboten nicht. Es sei im Moment nur ärgerlich, nicht zu wissen, wie es weitergeht.
Ein Lkw mit Paketen, der gegen 7 Uhr am Morgen angekommen war, sei noch nicht ausgeladen. Unklar sei auch noch, in welche Räume der Anlage man gehen darf und in welche nicht. Inzwischen heißt es von der Polizei, dass das Depot bis auf Weiteres abgesperrt bleibe. Geprüft werde etwa, ob weitere gefährliche Pakete im Umlauf sind oder am Dienstag zugestellt wurden.
Das hochgiftige Schwermetall Quecksilber ist das einzige Metall, das bei Raumtemperatur flüssig ist. Es kann bei einer Belastung über längere Zeit zu schweren Gesundheitsschäden führen. Beispielsweise durch das Einatmen von Quecksilberdämpfen können Gehirn, Lunge, Nieren und das Immunsystem dauerhaft geschädigt werden.