Klinik-Pleite in Bützow: Stadt kennt Zahl der Kündigungen nicht
Klinik-Pleite: Stadt kennt Kündigungszahl nicht

Ab dem 1. Januar werden in der Warnow Klinik Bützow die chirurgischen und orthopädischen Stationen sowie die Palliativstation geschlossen. Damit verlieren viele der rund 190 Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz. Wie viele genau betroffen sind, will die Klinik nicht mitteilen.

„Von den Kündigungen sind alle Berufsgruppen betroffen. Zahlen nennen wir nicht, da es sich hierbei um interne Informationen handelt, zu denen wir gegenüber der Öffentlichkeit keine Angaben machen“, teilt ein Sprecher mit. Auch die Stadt als Gesellschafterin mit einem Anteil von elf Prozent kennt die genauen Zahlen nicht. Bützows Bürgermeister Christian Grüschow spricht von etwa 100 gekündigten Mitarbeitern. „Das ist zumindest die Zahl, die bei mir angekommen ist“, so der 47-Jährige.

Mitarbeiterin fragt nach Folgen für Patienten

Lisa Schade gehört zu den Betroffenen und muss zum Jahresende gehen. Auf der jüngsten Stadtvertretersitzung stellte sie Fragen zu den Folgen für Rettungsdienst und Polizei. „Wurde untersucht, wie sich längere Einsatzzeiten auf die Verfügbarkeit der Kräfte auswirken? Welche Daten liegen vor, werden sie veröffentlicht und wie sollen Versorgungslücken verhindert werden?“ Auch die Schließung der Palliativstation sieht sie kritisch.

Grüschow konnte nicht alle Fragen beantworten: „Diese Fragen müssten Sie denen stellen, die diese massiven Einschnitte zu verantworten haben. Und das sind insbesondere die Vertreter der Krankenkassen, die bestimmen, welche Leistungen der Warnow-Klinik vergütet oder eben nicht vergütet werden.“ Die Stadt habe zu keiner Zeit von der Schließung der Palliativstation gewusst.

Stadt ohne Einflussmöglichkeiten

Obwohl die Stadt elf Prozent der Anteile hält, hat sie nach Grüschows Darstellung kaum Einfluss: Die Anteile bestehen seit dem letzten Insolvenzverfahren ohne Stimmrecht. „Im Ergebnis sind wir lediglich Informationsempfänger – soweit die Beteiligten meinen, diese auch mitteilen zu müssen.“

Die Klinik befindet sich aktuell in einem Schutzschirmverfahren. „Die letzten zehn, 15 Jahre waren finanziell ein Desaster für die Klinik. Das bisherige medizinische Angebot als Haus der Grund- und Regelversorgung war seit Jahren unterfinanziert“, führt Grüschow aus. Strukturelle Änderungen seien an der fehlenden Zustimmung der Krankenkassen gescheitert.

Ursachen liegen Jahre zurück

Für Stadtvertreter und Mediziner Karsten Thiemann liegen die Ursachen der Abwärtsspirale schon viele Jahre zurück: „Die meisten Fehler wurden in der Vergangenheit durch die Geschäftsführung gemacht. Es fing damit an, dass die Anästhesie abgebaut wurde, die ITS in IMC umgewandelt wurde, der Rettungsdienst ausgesourct wurde.“

Erhalten bleiben sollen nur die Angebote der Inneren Medizin und der Geriatrie. „Am Ende muss man ganz nüchtern betrachten, dass das, was hier in Bützow künftig an Struktur vorgehalten werden soll, der kleinste gemeinsame Nenner war, der finanzierbar war“, sagt Grüschow. Es besteht die Gefahr, dass weitere Mitarbeiter das Krankenhaus verlassen. Lisa Schade beschreibt die Lage als „unglaublich hohe psychische Belastung für alle Mitarbeitenden hier im Haus“. Sie habe bereits eine andere Arbeitsstelle in Aussicht, den Vertrag aber noch nicht unterschrieben.