In der Carlower Kirche haben vier Dragqueens für einen Auftritt gesorgt, der die Besucher begeisterte – trotz zahlreicher Hass-Kommentare, die zuvor in sozialen Medien und auf der Internetseite der Dorfgemeinschaft gepostet worden waren. Die Veranstaltung, initiiert vom ehemaligen Carlower Sebastian Krenzin, ließ die Stimmung im Gotteshaus auf Rockkonzert-Niveau steigen. Es war das erste Mal, dass eine derart extravagante Show in diesem Gotteshaus stattfand.
Gefeierte Show trotz Anfeindungen im Netz
Tanzende Menschen, Zugabe-Rufe und tosender Applaus in einer bis auf den letzten Platz gefüllten Kirche waren die Folge – ein krasser Widerspruch zu dem, was sich zuvor im Internet abgespielt hatte. „Wir mussten die Kommentar-Funktion auf unserer Internetseite abschalten. Es war ziemlich hässlich, was dort gepostet wurde“, erzählte eine der Veranstaltungshelferinnen.
In der Kirche war die Stimmung allerdings eine ganz andere. Schnell animierten die vier Dragqueens die Besucher zum Mitsingen. Andre Buccieri (Donatella Divanese), Patrick Jahrmann (Vander Lizm), Manuel Kock (Giselle Schaft) und Sebastian Krenzin (Kate Bross) traten erstmals gemeinsam auf.
Initiator und Pastorin überrascht vom Zuspruch
Sebastian Krenzin, alias Kate Bross, nahm sich selbst auf die Schippe: „Früher habe ich im Krippenspiel hier den König gespielt. Dass ich eigentlich die Maria sein wollte, sah zu diesem Zeitpunkt niemand.“ Der 36-Jährige war schon Tage vor dem Auftritt nervös und hatte keine Ahnung, was ihn erwarten würde. „Ich wusste nicht, ob wir fünf oder 100 Zuschauer in die Kirche bekommen würden. Aber am Ende muss ich sagen, dass es einfach überwältigend war, was hier in Carlow los war“, erklärte der frühere Carlower.
Auch Pastorin Ulrike Kurzweg, die sich um die Organisation der Veranstaltung gekümmert und Textzettel zum Mitsingen kopiert hatte, zeigte sich überrascht: „Es tut mir leid, dass nicht jeder einen Liedzettel bekommt. Dass hier so viele Besucher erscheinen, hatte ich nicht erwartet“, sagte sie kurz vor der Show.
Ein Abend voller positiver Energie
Nachdem die Besucher vor dem Altar zu tanzen begannen und nach dem letzten Lied Zugabe-Rufe durch das Gotteshaus hallten, waren für diesen Augenblick alle Hass-Kommentare vergessen. Im Dorf Carlow sorgte die queere Gesellschaft für einen Abend voller positiver Energie. Unter dem Motto „Drag the walls down“ haben Kate Bross, Vander Lizm, Giselle Schaft und Donatella Divanese für Vielfalt auf dem Dorf gesorgt. Die Veranstaltung ist Teil der Festivalreihe „Dorfkirche mon Amour“.