Die Bundesregierung will mit einem Gesetzentwurf die Fahrschulausbildung moderner und kostengünstiger gestalten. Der Gadebuscher Fahrlehrer Heiko Gottschalk verfolgt die Debatte und die öffentliche Anhörung des Verkehrsausschusses zum Gesetzentwurf zur Änderung des Fahrlehrergesetzes und anderer straßenverkehrsrechtlicher Gesetze genau. Die geplanten Änderungen könnten erhebliche Auswirkungen auf seine Arbeit, seine Angestellten und die künftigen Fahrschüler haben.
Modernisierung und Kostensenkung als Ziele
Nach Angaben der Bundesregierung soll der Entwurf die Fahrschulausbildung entbürokratisieren, modernisieren und zukunftsfähig gestalten. Ein weiteres Ziel ist es, die Kosten für den Führerscheinerwerb zu senken.
In der Fahrschule von Heiko Gottschalk ist der Bedarf an Modernisierung nicht unbedingt erkennbar. Während früher mit Fragebögen auf Papier gelernt wurde und 2012/2013 erstmals die theoretische Prüfung am Computer erfolgte, hat sich viel geändert. Große Touchdisplays für den Theorieunterricht hängen an den Wänden, und in einer Ecke steht ein Simulator, mit dem die praktische Ausbildung beginnt.
Simulator als fester Bestandteil der Ausbildung
„Wir haben in unser Ausbildungskonzept schon verpflichtend mit aufgenommen, dass jeder Fahrschüler die ersten drei Fahrstunden auf dem Simulator absolviert“, erklärt Heiko Gottschalk. Der Trainingssimulator beginne wirklich bei null, ermögliche aber auch das komprimierte Üben verschiedener Verkehrssituationen – etwa 20-mal auf gerader Strecke anzufahren oder sämtliche Verkehrszeichen zu beachten. „Die Schüler erhalten hier sechs Stunden zum Preis von einer Fahrstunde, haben aber einen Lernfortschritt von vielleicht zehn Fahrstunden“, so Gottschalk. „Ich möchte den Simulator deshalb nicht mehr missen“, sagt der Fahrlehrer mit fast 20-jähriger Berufserfahrung.
Die Fahrstunden auf dem Simulator werden individuell in einer App registriert, die mit dem Verwaltungsprogramm der Fahrschule gekoppelt ist. So können Gottschalk und seine zwei angestellten Fahrlehrer den Lernfortschritt genau verfolgen.
Kritik am Wegfall der Präsenzpflicht
Die Aneignung des theoretischen Wissens erfolgt ebenfalls per App, parallel findet aber Präsenzunterricht statt. Laut Gesetzentwurf soll die Präsenzpflicht für den Theorieunterricht künftig wegfallen und das Wissen vollständig digital – etwa per App – erlernbar sein. Heiko Gottschalk sieht das skeptisch.
Derzeit finden in der Fahrschule das Erstberatungsgespräch und die Vorbereitung der Unterlagen statt, danach können die Fahrschüler bei der Führerscheinstelle den Antrag stellen. Ohne Präsenzpflicht verschiebe sich der Arbeitsaufwand zu den Behörden, und die Betreuung durch die Fahrschule entfalle zunächst komplett.
Auch die erhoffte Kostenersparnis sieht Gottschalk kritisch. „Ich kann mit der App eine Theorieprüfung bestehen. Das ist aber nur Prüfungswissen, das Verstehen ist eine andere Sache. Was man hier verkennt, ist, dass wir im Theorieunterricht anwendungsfähiges Praxiswissen vermitteln. Wir erzählen hier aus der Praxis für die Praxis. Und wenn das fehlt, dann holt uns das im Auto ein. Dann machen wir nämlich Theorieunterricht während der praktischen teuren Fahrstunde.“
Schon jetzt vergehe oft viel Zeit, bis Schüler die Lernprogramme in der App absolviert haben und für die Theorieprüfung bereit sind. Gottschalk hat deshalb den Praxisunterricht in der Regel erst beginnen lassen, wenn der Theorieteil geschafft ist. Für den praktischen Teil benötigen die Fahrschüler im Schnitt 35 bis 40 Fahrstunden, inklusive der zwölf Sonderfahrten.
Experimentierklausel für begleitetes Fahren
Eine Experimentierklausel im Gesetzentwurf soll es ermöglichen, dass Fahrschüler künftig unter Anleitung nahestehender Personen, etwa Eltern, Fahrpraxis auf öffentlichen Straßen erwerben. Gottschalk kann sich vorstellen, dass Schüler vor der Prüfung bestimmte Voraussetzungen wie Einparken oder Rückwärtsfahren üben. „Das ist auch das, wo Geld gespart werden kann“, sagt der 48-Jährige. Nicht zulässig sei jedoch, dass der Schüler mit 100 Kilometern pro Stunde auf der Bundesstraße unterwegs ist, wo die Begleitperson nicht eingreifen und nicht bremsen könne.
„Ich bin überhaupt kein Freund davon, wenn man sagt: Das haben wir immer schon so gemacht. Im Gegenteil, ich bin stets dafür, auch etwas Neues ausprobieren, das mache ich im Fahrschulauto auch“, betont Gottschalk. „Wir haben eine neue Generation an Fahrschülern, die anders lernt und sich anders verhält. Doch wir müssen sie auch irgendwie zum Ziel bringen. Aber unter dem Gesichtspunkt, es wird alles billiger, halte ich das für bedenkenswert.“