Valentina Shigalejew blickt aus ihrem Wohnzimmerfenster direkt auf Bauarbeiten: Neben ihrem Grundstück im Friedländer Ortsteil Bresewitz entsteht ein Spielplatz. Die Rentnerin, die vor 26 Jahren nach Bresewitz zog, und weitere Anwohner sind darüber verärgert.
Befürchtungen: Lärm und neugierige Blicke
Der neue Spielplatz liege zu nah am Wohnhaus, bemängeln die Betroffenen. Der Baulärm sei derzeit deutlich zu hören; die Arbeiten laufen seit dem 23. September. Künftig befürchten die Anwohner erheblichen Spielplatz-Lärm. Insgesamt seien drei Familien betroffen.
Neben dem Lärm sorgt die Sorge, der Spielplatz könne sich zu einem Treffpunkt für biertrinkende Jugendliche entwickeln. Zudem befürchten sie, dass Nutzer in die privaten Räume von Valentina Shigalejew und ihrem Mann blicken könnten. Die Anwohner erheben außerdem den Vorwurf, der Spielplatz entstehe nur, um verfügbare Fördermittel zu nutzen – denn viele Kinder, die ihn nutzen könnten, gebe es in Bresewitz nicht.
Stadt schweigt zu Fragen
Ob der Fördermittel-Vorwurf zutrifft, bleibt unklar. Die Stadt Friedland ließ eine Anfrage des Nordkuriers zum Spielplatz bislang unbeantwortet. Auch die Frage nach der Berücksichtigung der Anlieger bei der Planung blieb bisher ohne Antwort.
„Wir werden nicht wahrgenommen und wir werden nicht menschlich behandelt“, schimpft Valentina Shigalejew. Gespräche mit dem Bauamt der Stadt Friedland hätten stattgefunden, jedoch ohne zufriedenstellendes Ergebnis. Die Anwohner hätten sich gewünscht, dass der Spielplatz auf der anderen Seite des Dorfes gebaut worden wäre; entsprechende Pläne habe es gegeben. Hoffnung auf eine Besserung hat keiner der Betroffenen. „Da passiert nichts mehr“, stellt eine anonym bleiben wollende Nachbarin fest.
Nachbarin will Bresewitz verlassen
Für diese Nachbarin ist der Spielplatz der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt. Jahrelang gab es in dem gut dreieinhalb Kilometer von Friedland entfernten Ortsteil Ärger wegen der mittlerweile geschlossenen Firma „Friedland Erden“ – Lärm, Gestank und Staub waren Alltag, wie sie dem Nordkurier im Februar 2025 berichteten. Nun will sie mit ihrem Mann Bresewitz verlassen.
Valentina Shigalejew möchte noch nicht so weit gehen – sie fühle sich nach über zwei Jahrzehnten zu verwurzelt, um einfach umzuziehen. Die Thematik beschäftige sie jedoch so stark, dass sie schon davon träume.
Unterstützung für den Spielplatz
Es gibt in Bresewitz auch andere Stimmen. Robert Heitmann, der Mitte September durch eine angekündigte Tankstellen-Blockade in sozialen Medien bekannt wurde, begrüßt den Spielplatzbau. Er ist Flächeneigentümer und hat der Stadt das Grundstück per Pachtvertrag zur Verfügung gestellt. „Das ist ein Rückzugsort für die Kinder, die müssen ja auch irgendwo einen Platz haben“, verteidigt er die Pläne. Eine mittlere bis hohe einstellige Zahl an Kindern in Bresewitz werde den Spielplatz nutzen; ohne ihn würden sie etwa an der Landesstraße spielen – auf dem Spielplatz seien sie geschützter, so seine Ansicht.