Der Bronzene Hirsch steht wieder vor dem Mausoleum der Familie Wedekind am Großen Labenzer See nahe Friedrichswalde, einem Ortsteil von Blankenberg. Die rund 100 Kilogramm schwere Figur wurde 2007 gestohlen, zersägt und nach einer Restaurierung 2008 zurückgebracht.
Ein Kunstwerk aus Berlin
Die Figur stammt vom Berliner Bildhauer Louis Tuaillon und wurde in der Bronzegießerei Noack in Berlin gegossen. Das Mausoleum wurde 1914 als Ruhestätte für Paul Justus Rudolph Wedekind und Angehörige seiner Familie errichtet. Der Bau ist heute verschlossen, der Platz davor mit der Hirschfigur lässt sich weiterhin besuchen.
Paul Wedekind kaufte das Gut Friedrichswalde 1898. Der Berliner Generalkonsul stammte aus einer Kaufmanns- und Bankiersfamilie. Sein Vater Karl Wedekind hatte in Palermo ein Handels- und Bankhaus aufgebaut. Paul Wedekind lebte später überwiegend in Berlin und besaß neben Friedrichswalde auch ein Gut in Pommern.
Vom Jagdrevier zum Schrottplatz
Die Ländereien am Labenzer See wurden vor allem für die Rotwildjagd genutzt. Der Hirsch vor dem Mausoleum verweist auf dieses frühere Revier und auf die Nutzung des Besitzes durch die Familie Wedekind. Louis Tuaillon gehörte zu den bekannten Bildhauern seiner Zeit. Er studierte in Berlin, arbeitete lange in Rom und wurde später Professor an der Berliner Kunstakademie. Zu seinen bekanntesten Werken zählt die „Amazone zu Pferde“.
Der Hirsch wurde als Hohlkörper gegossen, wiegt aber dennoch etwa 100 Kilogramm. Eine steinerne Treppe führt vom Mausoleum hinunter zum See.
Schüsse und Diebstahl
Im Jahr 1945 wurde die Bronzefigur beschädigt. Soldaten der Roten Armee schossen auf den Hirsch. Die Einschusslöcher waren jahrzehntelang zu sehen. Nach Kriegsende wurde der Besitz vermutlich enteignet. Das frühere Anwesen wurde danach unterschiedlich genutzt: als Wohnheim für Vertriebene, als Anglerheim, später als Sportlerheim und bis 1990 als Ferienhotel des Deutschen Turn- und Sportbundes. In DDR-Zeiten kümmerten sich Vereine um die Ruhestätte.
Anfang Juli 2007 verschwand der Bronzene Hirsch von seinem Platz. Am 10. Juli wurde die Figur auf dem Gelände einer Metallaufbereitungsfirma in Schwerin gefunden. Sie war zersägt. Das Geweih war abgetrennt, ebenso die Beine und die Grundplatte. Die zersägten Teile sprechen dafür, dass Buntmetalldiebe die Bronze verkaufen wollten.
Restaurierung und Rückkehr
Die Einzelteile wurden im September 2007 nach Berlin gebracht, zurück in die Bronzegießerei Noack. In derselben Gießerei war die Figur einst gegossen worden. Nun setzte man dort die zersägten Teile wieder zusammen. Bei der Restaurierung entfernte man auch die Einschusslöcher von 1945. Die Arbeiten wurden durch Nachkommen der Familie Wedekind und durch Spenden finanziert. Am 24. Mai 2008 wurde der restaurierte Hirsch wieder vor dem Mausoleum aufgestellt. Zur Enthüllung kamen hunderte Bürger.
Über den Bronzenen Hirsch wird erzählt, dass er in der Neujahrsnacht um Mitternacht für eine Stunde von seinem Sockel steigt und durch sein Revier zieht. Mit dem ersten Glockenschlag kehrt er wieder an seinen Platz zurück.
Heute steht der Hirsch wieder vor dem Mausoleum. Der Bau bleibt verschlossen, doch die Figur ist zu besichtigen. Dass sie wieder dort steht, liegt an der Restaurierung nach dem Diebstahl von 2007 und an den Menschen, die dafür Geld gaben.