Azubi-Vorwürfe: Externer Ermittler soll Hennige-Fall klären
Azubi-Vorwürfe: Externer Ermittler soll Hennige-Fall klären

Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Neubrandenburg hat einen externen Prüfer beauftragt, um Vorwürfe gegen ihren eigenen Präsidenten Krister Hennige zu untersuchen. Hintergrund sind Berichte über fragwürdige Beschäftigungsbedingungen von ausländischen Azubis in Henniges Unternehmen auf Usedom. Die Entscheidung fiel nach Informationen des Nordkurier auf Basis einer Empfehlung des Wirtschaftsministeriums.

Vorwürfe und Kautionsmodell

Ein TV-Bericht hatte vor zwei Monaten über die Ausbeutung von Einwanderern berichtet. Demnach soll Hennige ausländische Azubis unter fragwürdigen Umständen beschäftigt haben. Konkret ging es um einen jungen Mann aus Indonesien, der als „Fachkraft Küche“ ausgebildet wurde, aber über ein hohes Maß an Hilfsarbeiten klagte.

Zudem wurde ein „Kautionsmodell“ bekannt, bei dem Geld von Azubis einbehalten und erst am Ende der Ausbildung ausgezahlt werden sollte. Hennige wies die Vorwürfe als „unzutreffend“ zurück, räumte das Kautionsmodell aber gegenüber dem Nordkurier ein. Die IHK Neubrandenburg stufte dieses Vorgehen als „nicht zulässig“ ein.

Juristischer Teilerfolg für Hennige

Parallel erzielte Hennige einen juristischen Teilerfolg gegen die ARD-Dokumentation, die die Debatte auslöste. Das Landgericht Berlin untersagte einige Aussagen vorläufig per einstweiliger Verfügung, erklärte andere aber ausdrücklich für zulässig. Der NDR prüft laut Sprecherin Wibke Harms, ob er gegen das Teilverbot Berufung einlegt. Die Dokumentation wurde bis zur endgültigen Klärung offline genommen.

Spannungen zwischen den Kammern

Der Fall belastet auch die Beziehungen zwischen den Landeskammern. Nach Bekanntwerden der Vorwürfe im Juli forderten die Spitzen der IHK Schwerin und Rostock Aufklärung und ließen die Zusammenarbeit mit Neubrandenburg ruhen. Rostocks Vize-Präsident Tom Scheffler kritisierte den Umgang seiner Kammerspitze als zu wenig besonnen und sprach sich für die externe Prüfung aus.

IHK-Präsident Klaus-Jürgen Strupp wies Schefflers Darstellungen als „lückenhaft, zum Teil sogar falsch“ zurück. Die Abgrenzung zu Hennige beruhe auf „unstreitigen Fakten“, etwa den Kautionszahlungen. Matthias Belke von der IHK Schwerin bestätigte: „Die Zusammenarbeit ruht.“ Hintergrund sind auch bevorstehende Wahlen bei der IHK Rostock.