Der Marineschiffbauer TKMS hat seit Jahresanfang auf der Wismarer Werft rund 500 neue Beschäftigte eingestellt. Das Unternehmen wirbt derzeit mit dem Slogan „Leinen Los für deine Karriere – dein Platz an Bord“ auf seiner Webseite um Personal. Der Konzern hatte den Standort vor vier Jahren übernommen.
Einstellungen seit Januar
Bereits im Januar stellte TKMS 140 Mitarbeiter ein. Ein Großteil davon wurde von den vorherigen MV-Werften Wismar übernommen. Es handelt sich um Menschen aus der Region mit Erfahrung in der Werftarbeit. Ende September arbeiteten nach Unternehmensangaben bereits 500 Beschäftigte bei TKMS in Wismar. Am 1. September starteten 29 Auszubildende und zwei duale Studenten. Die neuen Mitarbeiter werden an der Produktion von Militärschiffen beteiligt. Noch in diesem Jahr soll mit dem U-Boot-Bau begonnen werden.
Weitere Bewerbungen erwünscht
Auf der TKMS-Webseite finden sich derzeit 50 Job-Angebote für Wismar – vom Schiffbauer über Industriemechaniker, Lagerlogisten, Schweißer, Elektriker, Steckerfertiger bis zu IT-Spezialisten und Transportwerkern. „Auch Quereinsteiger sind willkommen“, sagt TKMS-Sprecher Nils Beyer. „Man muss nicht klassisch aus der Verteidigungsindustrie kommen. Wer vorher in einer anderen Branche gearbeitet hat, kann sich gerne bei TKMS bewerben. Bei entsprechender Auftragslage wollen wir bis Ende 2029 in Wismar bis zu 1500 Arbeitsplätze schaffen.“
Praktika sind bei TKMS nicht möglich. Als Rüstungskonzern legt das Unternehmen Wert auf Sicherheitsvorkehrungen. Das künftige Personal werde vorab überprüft, heißt es. Der Konzern erhält jährlich rund 60.000 Bewerbungen aus aller Welt, allerdings nicht nur für Wismar. Insgesamt gehören zu TKMS über 10.200 Beschäftigte, inklusive Leih- und Zeitarbeitende.
Investitionen und neue Projekte
TKMS zahlt den Tariflohn der IG Metall. Auf der Webseite wird mit einer 38-Stundenwoche geworben, die sich bis 2029 stückweise auf 35 Stunden reduziert. Derzeit bereiten die Mitarbeiter die Umsetzung künftiger Unter- und Überwasserprojekte vor. Neue Schiffbau- und Werkhallen werden errichtet, alte Hallen und Lagerplätze weichen. Geplant ist ein Multifunktionsgebäude für die Feuerwehr, den Sicherheits- und Wachdienst. Zudem werden neue Maschinen angeschafft und getestet.
In den kommenden Jahren sind am Werftstandort Investitionen von mehr als 200 Millionen Euro vorgesehen. Die Bürgerschaft in Wismar gab grünes Licht für den Umbau. Künftig sollen hier nicht nur U-Boote, sondern auch Fregatten gebaut werden. Ab kommendem Jahr beginnt der Bau des Forschungseisbrechers Polarstern 2, der die Polarstern 1 ablösen soll. Die Polarstern 1 ist seit 1982 im Einsatz, hat den Heimathafen Bremerhaven und wird vom Alfred-Wegener-Institut betrieben. Sie bricht bis zu 1,2 Meter dickes Eis.
Stadt profitiert
Bürgermeister Frank Junge (SPD) nennt die Entwicklung der Werft einen Glücksfall. „Der Schiffbau gehört zur Hansestadt Wismar und ich freue mich sehr, dass hier gut bezahlte Arbeitsplätze und in der Folge auch weitere Arbeitsplätze in der Zulieferindustrie entstehen. Die Auftragsbücher sind für die nächsten Jahre gut gefüllt. Die Werft kommt damit in ruhigeres Fahrwasser.“ Er vermutet, dass die Kaufkraft in der Stadt steigt und Einzelhandel und Dienstleistungssektor profitieren.