Nach knapp zweijähriger Bauzeit ist die modernisierte Kaianlage am Kempowski-Ufer im Rostocker Stadthafen eröffnet worden. Am Freitag, 9. Oktober, gaben MVs Wirtschaftsstaatssekretär Jochen Schulte (SPD) und Rostocks Oberbürgermeisterin Eva-Maria Kröger (Die Linke) das 450 Meter lange Areal feierlich frei.
Herzstück: Flanier-Ebene mit Sitzstufen
„Der Stadthafen prägt die maritime Identität Rostocks und das Lebensgefühl der Menschen, die hier wohnen“, sagte Schulte zur Eröffnung. Zugleich mache er den besonderen Reiz der Stadt als attraktives Reiseziel aus. Herzstück ist die 200 Meter lange, tieferliegende Geh-Ebene mit integrierten Sitzstufen direkt am Wasser.
„Endlich wird aus der Baustelle wieder ein Ort zum Flanieren, Verweilen und Genießen“, betonte auch die Oberbürgermeisterin. Das Kempowski-Ufer sei nun spürbar verändert. „Für mich gehört der Stadthafen zu den Orten, an denen man wunderbar den Kopf frei bekommt – und ich freue mich sehr, dass wir den Rostockerinnen und Rostockern jetzt ein großes Stück davon schöner und moderner zurückgeben können.“
Erneuerung der maritimen Infrastruktur
Neben der Erhöhung der Aufenthaltsqualität diente die Maßnahme auch der Erneuerung der maritimen Infrastruktur. Die alten Spundwände aus den 1960er-Jahren waren stark sanierungsbedürftig. Vor Baubeginn konnte die Hafenanlage nur noch eingeschränkt genutzt werden.
Im Zuge der Arbeiten wurde auf rund 450 Metern Länge eine neue Spundwand errichtet und im Baugrund rückverankert. Laut Stadt wurden 1365 Tonnen Spundwandstahl, 20.500 Tonnen Verfüllsand und 1550 Kubikmeter Beton verbaut. Am Liegeplatz 91 entstand zudem eine Schwerlastplatte für Kräne.
Unterhalb und hinter der neuen Promenade wurde umfangreich in die Infrastruktur investiert: Rund 1300 Meter Stromkabel und 500 Meter Trinkwasserleitungen wurden neu verlegt. Gemeinsam mit Nordwasser wurden fünf Regenwassersammler erneuert. Diese können bei Starkregen bis zu 3.000 Liter Regenwasser je Sekunde in die Warnow ableiten.
Marina „Ocean's End“ umgebaut
Umgebaut wurde auch die von der Stadt verpachtete Marina „Ocean's End“. Hier befindet sich nun eine Anlage mit 120 Liegeplätzen, ausgestattet mit neuen Strom- sowie Wasseranschlüssen. Künftig sollen hier Boote mit einer Länge bis zu 20 Metern und bis zu 3,80 Meter Tiefgang anliegen können.
Baubeginn war im Frühjahr 2025. Ursprünglich war die Fertigstellung zur Hanse Sail 2026 vorgesehen. Langanhaltendes Hochwasser sowie Frost im Winter verzögerten jedoch die Betonier- und Schalungsarbeiten, wie die Stadt mitteilte.
Das Land Mecklenburg-Vorpommern förderte den ersten Bauabschnitt mit rund 11,9 Millionen Euro aus Mitteln der Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“ (GRW). Die Gesamtkosten belaufen sich auf rund 22 Millionen Euro.
Eröffnungsparty abgesagt
Eigentlich sollte die Eröffnung groß gefeiert werden: Die gastronomischen Betriebe entlang des Hafens hatten besondere Aktionen, darunter eine über 100 Meter lange Tafel entlang der Flaniermeile, vorgesehen. Wegen ungünstiger Wetterprognosen musste die große Eröffnungsparty jedoch ausfallen.
Der Umbau des Kempowski-Ufers ist Teil des groß dimensionierten städtischen Entwicklungsprojektes „Rostocker Oval“. Weitere Abschnitte zur Gestaltung der Promenade mit Fahrradstraße, Grünanlagen und Gastronomieflächen befinden sich in Vorbereitung. Im November werden auf den entstandenen Grünflächen zudem Bäume gepflanzt.