Warnow-Fährkapitän Burkhard Boy: „Jetzt wird es schnell kritisch“
Warnow-Fährkapitän: „Jetzt wird es schnell kritisch“

Seit 1991 steuert Burkhard Boy die Fähren „Warnow“ und „Breitling“ über die Warnow zwischen Warnemünde und Hohe Düne. Der 67-Jährige fährt für die Weiße Flotte, die zur FRS Gruppe gehört, im Dreischichtsystem. Früh um 4.40 Uhr beginnt die erste Schicht, die Spätschicht startet 12.40 Uhr, die Nacht übernimmt ab 20.40 Uhr. An einem typischen Tag bleibt Boy bis 19 Uhr an Bord, danach werden die Schiffe abgestellt und gereinigt. Sechs Arbeitstage pro Woche sind normal, Feiertage werden verteilt, der Urlaub verlässlich geplant.

„Wir sind ein kleines Team, das Hand in Hand arbeitet“, sagt er. „Man kennt sich, man weiß, was der andere braucht.“ Die Technik an Bord hat sich in den vergangenen Jahren gewandelt: Vor zweieinhalb Jahren wurden beide Fähren auf Hybridbetrieb umgestellt. „Wir haben keine Antriebsmotoren mehr, sondern Generatoren, die Batterien laden. Den Fahrstrom liefern die Batterien“, erklärt Boy. Der Effekt: Dieselverbrauch und Abgasemissionen haben sich mehr als halbiert. Außerdem seien die Schiffe wendig und kräftig, sagt er. „Das hilft, wenn der Wind quersteht und die Strömung drückt.“

Eis war früher das Problem

In den Wintern 1995/96 steckte die Fähre zeitweise fest. „Da sind wir nicht durchgekommen“, erinnert sich Boy. Zuviel Eis. Solche Lagen sind selten geworden. Stattdessen zwingen starker Nord- oder Nordwestwind und hohe Wellen die Mannschaft immer wieder zu Pausen. „Wenn die Dünung die Fahrzeuge hoppeln lässt, ist Schluss“, sagt er. Kommt Sturm aus nördlichen Richtungen, kann Hochwasser gleich beide Anleger überfluten – dann steht der Betrieb vorübergehend still.

Umbauten verändern die Wellen

Ein Grund für die neue Härte auf dem Wasser liege in den Umbauten am Seekanal, meint Boy. Der verbreiterte und vertiefte Kanal, der Rückbau der alten Mittelmole, die verlängerte Ostmole und der Yachthafen mit Spundwand – all das habe die Wellenführung verändert. „Früher haben wir hier kaum geschaukelt. Jetzt laufen die Wellen in die Fährbetten und es wird schnell kritisch“, sagt er. Simulationsbilder aus Kiel sahen Verbesserungen. Seine Erfahrung: „Früher konnten wir bei West 10 bis 11 fahren, heute gibt es schon bei 5 bis 6 Probleme.“

An- und Ablegen per Auge

Die Fahrgäste haben sich gewandelt. Bevor Autobahn und Warnowtunnel kamen, waren es mehr Fahrzeuge. Heute wechseln sich Fußgänger, Radfahrer und Autos ab. „Es sind auch schon mal ganze Kolonnen Sportwagen rüber zum Yachthafen gerollt“, sagt Boy lächelnd. Die Führerstände sind klimatisiert, die Abläufe eingespielt, die Fahrt kurz – und doch ist es ein Job, der Aufmerksamkeit verlangt. An- und Ablegen macht Boy „per Auge“, ohne Abstandsmesser oder Kameras. „Das Gespür kommt mit den Jahren“, sagt er.

Boy begann 1983 im Fährdienst als Matrose und Maschinist, später als Schiffsführer. Zuvor war er in der Seefahrt tätig. Trotz Rentenstatus fährt er weiter. „Ich möchte in Bewegung bleiben und nicht zu Hause auf die Wand starren.“ Außerdem mag er die Fahrgäste. Seine Familie ist damit einverstanden.