Die geplante Warnowbrücke in Rostock wird deutlich teurer als bislang angenommen. Nachdem bekannt wurde, dass die Baukosten um mehr als 50 Prozent über der ursprünglichen Kalkulation liegen, fordert der Bund der Steuerzahler Mecklenburg-Vorpommern ein Ende des Projekts. Die Rostocker Bürgerschaft soll im November über das weitere Vorgehen entscheiden.
Kosten explodieren, Stadt hält an Brücke fest
Bisher ging die Stadt von Gesamtkosten in Höhe von etwa 62,8 Millionen Euro für die 540 Meter lange Fußgänger- und Radfahrerbrücke über die Unterwarnow aus. Diese Zahlen lassen sich nach neuesten Schätzungen nicht mehr halten, wie die Stadtverwaltung auf Anfrage mitteilte. Dennoch will die Hansestadt an dem als „städtebauliches Highlight“ bezeichneten Prestigevorhaben festhalten.
Bereits im Jahr 2020 wurde die Warnowbrücke als möglicher Verschwendungsfall in das Schwarzbuch des Steuerzahlerbundes aufgenommen. Auch im neuen Schwarzbuch, das am 1. Oktober erscheint, ist das Projekt wieder vertreten. „Vergangenes Jahr musste die Stadt Kredite aufnehmen, um Gehälter und Weihnachtsgeld zu zahlen und an dieser zweifellos schönen, aber unnötigen Brücke hält man unverrückbar fest?“, fragt der Landesvorsitzende des Steuerzahlerbundes Sascha Mummenhoff und ergänzt: „Das kann sich Rostock nicht leisten. Wir fordern die Rostocker Bürgerschaft auf, das Projekt sofort einzustellen.“
Millionen in Planung geflossen, Kritik an Prioritäten
Bereits jetzt sind circa dreieinhalb Millionen Euro an Steuergeldern in die Planungen der Brücke geflossen. Mummenhoff kritisiert: „Diese Brücke wäre für Rostock allenfalls ein Nice-To-Have, gebraucht wird sie nicht. Gebraucht werden aber Investitionen in den Hochwasserschutz, in den Radwegeausbau, in die weitere Sanierung der Neptunschwimmhalle, in die Sanierung der Eishalle, in die Sanierung von Schulen und vieles mehr. Ganz davon abgesehen hält man in Rostock mit dem Neubau des Volkstheaters an einem weiteren Millionenprojekt fest. Diese Brücke sollte in der Priorität ganz weit nach hinten rücken.“
Wie Rostocks Stadtsprecher Ulrich Kunze informiert, habe das damals beauftragte Planungsunternehmen die Kosten für den Brückenbau kalkuliert, allerdings hätten die Bauunternehmen davon stark abweichende Angebote vorgelegt. „Laut der erfahrenen Baugemeinschaft aus drei Unternehmen würde der Bau mehr als 50 Prozent teurer werden als geplant“, so Kunze.
Entscheidung im November, Förderung steht
Im Rostocker Rathaus wird derzeit darum gerungen, wie man mit der Kostensteigerung umgehen soll. „In dieser Situation prüfen wir in gemeinsamen Runden mit Planern und Bauunternehmen, ob sie die Kosten optimieren können“, so Kunze weiter. „Am Ende werden wir wissen, ob und wie es weitergehen könnte. Eine entsprechende Entscheidung der Bürgerschaft wird im November angestrebt.“ Bis dahin will die Stadtverwaltung einen Lösungsvorschlag erarbeitet haben.
Die Warnowbrücke soll künftig das Stadtzentrum und den Stadthafen mit dem nördlichen Stadtteil Gehlsdorf verbinden. Der Bund fördert den Bau mit circa 36 Millionen Euro und ist bisher treu bei seinen Zusagen geblieben. Die Stadt hofft unterdessen, zusätzliche Fördermillionen des Bundes einwerben zu können. Bereits jetzt wird die geplante Brücke von offizieller Seite als „das neue Wahrzeichen der Hanse- und Universitätsstadt Rostock“ bezeichnet. Eigentlich sollten die Bauarbeiten für die Brücke noch diesen Herbst beginnen und bis spätestens 2030 abgeschlossen sein.