Am Rostocker Landgericht findet an diesem Mittwoch der 30. und wahrscheinlich recht kurze Verhandlungstag im Fabian-Prozess statt. Die 3. Strafkammer will lediglich zwei kurze Videos im Gerichtssaal vorführen und über Beweisanträge entscheiden. Die Verteidiger der wegen Mordes angeklagten Gina H. wollen erreichen, dass das Gericht ein weiteres Gutachten in Auftrag gibt.
Handys sollen analysiert werden
Bei diesem Gutachten würde es um die Bewegungsdaten gehen, die in den Handys der 30-jährigen Angeklagten und im Handy eines wichtigen Zeugen gespeichert sind. Eine Analyse könnte helfen nachzuvollziehen, wann und wie die Handys an jenen Tagen im Oktober 2025 bewegt wurden, als der achtjährige Fabian aus der Güstrower Wohnung seiner Mutter verschwand und bei Klein Upahl am Rande eines Tümpels ermordet wurde.
Verteidiger zweifeln an erster Auswertung
Sensoren speichern in modernen Handys, ob sie gerade irgendwo still herumliegen oder ob der Benutzer mit ihnen geht, läuft oder in einem Fahrzeug fährt. Die bisherige Auswertung dieser Daten hatte die Verteidiger nicht überzeugt. Auch die Rechtsanwältin von Fabians Mutter, die als Nebenklägerin am Prozess beteiligt ist, hofft etwa auf präzisere Angaben, wann Gina H. mit ihrem Auto unterwegs war.
Überraschende Verlängerung
In der vergangenen Woche hatte die Strafkammer mit der Staatsanwaltschaft und den Verteidigern drei weitere Termine ausgemacht, die sie sich freihalten sollen. Demnach würde das Urteil nicht schon im Oktober, sondern erst am 10. November fallen. Die Verlängerung kam überraschend und hängt möglicherweise mit der beantragten neuen Bewegungsdaten-Analyse zusammen, die eine gewisse Zeit in Anspruch nehmen würde.
Fabian wurde am 10. Oktober vergangenen Jahres von seiner Mutter als vermisst gemeldet. Vier Tage später teilte die angeklagte Gina H. der Polizei mit, die Leiche gefunden zu haben. Die Staatsanwaltschaft wirft Gina H. vor, Fabian aus der Wohnung seiner Mutter gelockt und bei Klein Upahl erstochen zu haben. Später soll sie dorthin zurückgekehrt sein, um den Leichnam anzuzünden. Das Kind war der Sohn des damaligen Ex-Freundes der Angeklagten. Sieben Wochen vor Fabians Verschwinden hatte sich der Vater von Gina H. getrennt. Die Staatsanwaltschaft unterstellt in ihrer Anklage, Gina H. habe geglaubt, Fabian sei bei ihrem Bestreben im Weg gewesen, die Beziehung mit Fabians Vater wieder aufnehmen zu können. Mit einem Urteil ist nun im November zu rechnen.