Katastrophenschutz in Rostock: So rettet die Feuerwehr Menschen mit Behinderung
Katastrophenschutz: Feuerwehr Rostock informiert Behindertenbeirat

Wie verlassen Menschen im Rollstuhl oder mit Sehbehinderung ein brennendes Gebäude? Was hilft bei Panik oder Angstzuständen? Mit diesen Fragen beschäftigte sich die jüngste Sitzung des Rostocker Behindertenbeirats. Sven Scharschmidt, stellvertretender Leiter des Amtes für Brandschutz, Rettungsdienst und Katastrophenschutz, war zu Gast, um Ängste abzubauen und Einsatzabläufe zu erläutern. Seine Kernbotschaft: Für die Feuerwehr hat der Schutz von Menschenleben oberste Priorität. Individuelle Bedürfnisse würden erst im Anschluss geklärt. Das bedeute jedoch nicht, dass die Einsatzkräfte nicht geschult seien, wenn es um Menschen mit speziellen Bedürfnissen geht.

Zehn Minuten bis zum Einsatzort

Rostock ist mit mehr als 200.000 Einwohnern, dichter Bebauung und maritimen sowie militärischen Einrichtungen entlang der Ostsee rettungstechnisch stark gefordert. Die Berufsfeuerwehr betreibt drei Feuer- und Rettungswachen in der Südstadt, in Groß Klein und in Dierkow. Hinzu kommen fünf reine Rettungswachen im Stadtgebiet. Neben der Berufsfeuerwehr gibt es die freiwilligen Feuerwehren mit mehr als 300 Einsatzkräften. Weitere Partner im Katastrophenschutz sind unter anderem DRK, Malteser und THW.

„Zehn Minuten soll es per Gesetz dauern, bis die Rettungskräfte am Einsatzort sind“, sagte Scharschmidt. „Das schaffen wir auch.“

„Rettung ist Rettung“ – Situation entscheidet

Im Austausch mit dem Beirat und der Arbeitsgruppe Planen, Bauen, Wohnen unter Vorsitz von Juliane Bendin beantwortete Scharschmidt zahlreiche Fragen. Unter anderem ging es darum, ob Wohnorte von Menschen mit Behinderung zentral erfasst und der Feuerwehr bereitgestellt werden könnten, um besondere Bedürfnisse vorab zu berücksichtigen. Scharschmidt dämpfte die Erwartungen: „Rettung ist Rettung.“ In Extremsituationen könne die Feuerwehr da einfach keine Unterschiede machen.

Er unterschied in der Erklärung zwischen Einrichtungen wie Pflegeheimen oder Krankenhäusern und privaten Wohnungen. Für baurechtlich klar genormte Einrichtungen gebe es konkrete Einsatzpläne, die am jeweiligen Gebäude flächendeckend und wiederholt vorbereitet würden. In privaten Wohnungen bleibe dagegen immer eine gewisse Unbestimmtheit: „Wir wissen nie, wo genau sich die Person aufhält oder ob sie im Rollstuhl sitzt.“ Hier müsse von Situation zu Situation entschieden werden und man könne sich nur allgemein vorbereiten.

Grundsätzlich stehe die Rettung von Menschen an erster Stelle. Hilfsmittel wie Rollstühle versuche man in der Regel gleich mitzunehmen, es könne aber sein, dass die Hilfsmittelrettung erst in der „zweiten Minute geschieht“. Assistenzhunde hätten ebenfalls hohe Priorität. Nach der Rettung übergeben die Einsatzkräfte die Person an den Rettungsdienst, welcher sie bei Bedarf ins nächstgelegene Krankenhaus bringt.

Vorsorge und Nachbarschaftshilfe als wichtigste Hebel

Der wichtigste Hebel für das individuelle Sicherheitsempfinden und die größte Hilfe für die Rettungskräfte bleibe dabei immer die eigenständige Vorsorge. „Die ersten Ansprechpersonen vor Ort für uns Rettungskräfte sind in der Regel die Nachbarn“, so Scharschmidt. Er riet daher, Nachbarn über wichtige Bedürfnisse oder überlebenswichtige Besonderheiten zu informieren. „Haben Sie Ihre wichtigsten Dinge, etwa Medikamente, Ausweise oder Unterlagen auch immer griffbereit.“

Im Katastrophenfall, etwa bei einem Stromausfall wie zuletzt in Berlin, sei Vorsorge ebenfalls entscheidend: ausreichend Wasser, notwendige Medikamente, etwas zu essen und eine Taschenlampe seien das Mindeste, so Scharschmidt. Er hatte Leitfäden zur individuellen Vorsorge in einfacher Sprache zur Sitzung mitgebracht, inklusive Checklisten. „Die eigene Vorsorge und die Nachbarschaftshilfe sind neben uns das wohl wichtigste Instrument um die Sicherheit der Bevölkerung zu gewährleisten“, betonte Scharschmidt am Mittwoch wiederholt. Entsprechende Broschüren seien bei den Feuerwehren, Hilfseinrichtungen, online oder bei der Stadt erhältlich.

Die Hansestadt selbst sei natürlich auch gut vorbereitet, meint Scharschmidt. „Wir halten mehrere Notfalltreffpunkte und barrierefreie Notunterkünfte vor.“ Alarmiert werde die Bevölkerung im Ernstfall über einen Mix aus WarnApps, wie NINA oder die RostockApp, Sirenen, Lautsprecherwagen und im Extremfall auch durch die gängigen Medien, wie Fernsehen und Radio.

Wer sich genauer zum Thema Vorsorge oder Rettungsstruktur in Rostock informieren möchte, der kann zum Beispiel an diesem Samstag, 17. Oktober, am 3. Rostocker Blaulichttag auf der Haedgehalbinsel im Rostocker Stadthafen teilnehmen.