Kokain-Prozess in Rostock: Urteil erst im Dezember erwartet
Kokain-Prozess in Rostock: Urteil erst im Dezember

Der Prozess um den Schmuggel von rund 260 Kilogramm Kokain auf einer Segeljacht über den Atlantik am Landgericht Rostock wird deutlich länger dauern als ursprünglich geplant. Nach Angaben einer Gerichtssprecherin gegenüber dem Nordkurier wurden zusätzliche Termine angesetzt. Mit einer Urteilsverkündung wird nun erst am 18. Dezember gerechnet. Ursprünglich sollte das Verfahren bereits am 16. Oktober abgeschlossen sein.

Zusätzliche Zeugen und Sicherheitsvorkehrungen

Grund für die Verlängerung sind weitere Zeugenanhörungen. So sollen am Montag (5. Oktober) eine Tochter der angeklagten Frau aus der Nähe von Rostock sowie ein Beamter des Landeskriminalamtes aussagen. Zudem will die Kammer um Richter Tilman Finke einen weiteren Ermittler aus Portugal in den Zeugenstand rufen, um die Fahrt der Angeklagten im Sommer 2025 genauer zu beleuchten. Damals waren sie von Kolumbien nach Europa gesegelt und von portugiesischen Sicherheitskräften gestoppt worden.

Der Prozess läuft unter strengen Sicherheitsbedingungen. Schwer bewaffnete und maskierte Spezialpolizisten wohnten dem Verfahren wie bereits am ersten Verhandlungstag bei. Die Angeklagten werden von einem Spezialeinsatzkommando der Polizei geschützt, da das Paar Geschäfte mit der kolumbianischen Drogenmafia gemacht haben soll.

Geständnis des Hauptangeklagten

Dem 59-jährigen Hauptangeklagten und seiner 68 Jahre alten Ehefrau, die zuletzt in einem Dorf bei Rostock lebten, drohen lange Freiheitsstrafen. Ihnen wird Drogenhandel in großem Stil vorgeworfen. Der Hauptangeklagte hat bereits gestanden, die rund 260 Kilogramm Kokain Anfang Juli 2025 in Kolumbien als Proviant getarnt auf seiner Jacht „Target“ versteckt zu haben. Ziel war es, das Rauschgift nach Europa und dann nach Deutschland zu bringen.

Die weiße Segeljacht „Target“, die das Paar 2024 für rund 200.000 Euro in Greifswald gekauft hatte, wurde auf der Rückfahrt von Kolumbien Anfang August 2025 nahe der Azoren von der Polizei gestoppt. Der Segler soll zu diesem Zeitpunkt bereits manövrierunfähig gewesen sein. Die Polizisten, die vom Bundeskriminalamt unterstützt wurden, fanden die Drogen in verschiedenen Verstecken.

Hintergründe des Paares

Das BKA war durch einen Tipp eines Vertrauensmannes aus Berlin auf das Paar und das Boot aufmerksam geworden. Der Hauptangeklagte stammt aus Berlin und saß dort Jahrzehnte im Gefängnis. Die 68-jährige Frau soll seinen zweiten Ehemann 2014 in Berlin kennengelernt haben. Die Segelfahrt hatte das Paar bereits 2024 angetreten und als „verspätete Hochzeitsreise“ deklariert.

Die Frau bestritt nach Angaben ihrer Anwälte bisher, etwas von den Drogen an Bord gewusst zu haben. Sie hat sich im Prozess im Gegensatz zu ihrem Mann noch nicht geäußert. Laut LKA Berlin soll sie jedoch im Bilde gewesen sein. Der Angeklagte soll vor dem Segeltörn bei Rostock eine Schrauber-Werkstatt betrieben haben, in der er vermutlich gezielt Verstecke in Autos installiert haben soll.

Der Marktwert des auf der Segeljacht entdeckten Kokains wurde von der Staatsanwaltschaft auf 15 bis 20 Millionen Euro geschätzt. Es wäre die größte Menge Kokain, die je mit Bezug zu Mecklenburg-Vorpommern beschlagnahmt wurde.