Die Tierrechtsorganisation Peta fordert, die Krake Raya aus dem Rostocker Zoo in die Freiheit zu entlassen. In einem Brief an Zoodirektorin Antje Angeli verlangt Peta, das Tier in seine Heimat zurückzubringen, wo es gefangen wurde. Anlass ist der World Octopus Day am 8. Oktober. Bereits 2024 hatte Peta den Rostocker Zoo aufgefordert, die Krakenhaltung zu beenden.
Vorwürfe der Tierschützer
„Kraken sind hochintelligente und emotionale Tiere, die aus ihrem natürlichen Lebensraum entführt wurden, um Menschen in Zoos und Aquarien zu unterhalten“, sagt Meeresbiologin Dr. Tanja Breining, Petas Fachreferentin für Fische und Meerestiere. „Da sie eine Lebenserwartung von nur ein bis zwei Jahren haben, werden für die Haltung in Zoos und Aquarien immer wieder neue Kraken aus ihrem natürlichen Lebensraum gefangen und eingesperrt“, beklagt sie.
In ihrer Heimat im Ozean könnte die Krakendame laut Tanja Breining jetzt ihre Höhle dekorieren, gemeinsam mit einer Muräne auf die Jagd gehen oder nach einem Partner suchen. „Es ist grausam, sie aus ihrer Heimat zu entführen und den Rest ihres ohnehin sehr kurzen Lebens einzusperren“, sagt die Meeresbiologin. „Das Meer ist kein Selbstbedienungsladen für Zoos. Tiere dürfen nicht einfach aus ihrem natürlichen Lebensraum gerissen werden.“
Zoo verteidigt die Haltung
Der Zoo Rostock nehme die Kritik ernst und habe ein durchdachtes Konzept für artgerechte Bedingungen. „Gemeine Kraken sind intelligent und sehr neugierig. Neben einer guten Wasserqualität sorgt unser Tierpflegeteam deshalb für viel Abwechslung mit verschiedenen Beschäftigungsmaterialien – mal mit, mal ohne Futter“, erklärt Kurator Dr. Jens Bohn vom Zoo Rostock. Er bestätigt aber auch, dass alle in Zoos gehaltenen Kraken aus Wildentnahmen stammen, da eine Nachzucht in größerem Stil weltweit noch nicht gelingt.
Doch: „Die Entnahme einzelner Jungtiere in ihrer natürlichen Lebensphase mit der höchsten Mortalitätsrate ist ökologisch unproblematisch – verglichen mit den jährlich bis zu 14.000 Tonnen, die allein für den menschlichen Konsum im Atlantik gefangen werden“, ist Bohn überzeugt. „Im Zoo Rostock erfüllen Kraken zudem eine wertvolle Bildungsaufgabe. An ihnen lassen sich spannende biologische Phänomene veranschaulichen, etwa die konvergente Entwicklung von Augen bei Wirbeltieren und Weichtieren oder die unabhängige Entwicklung von Intelligenz im Bereich der Weichtiere“, ergänzt er.
Pfleger schildern das Tier
Tierpfleger Tim Funke will seine Raya nicht missen. Meist ziehe Raya sich tagsüber in ihre ruhige Höhle zurück und zeige sich vor allem in den Morgen- und Abendstunden. „Obwohl sie mittlerweile etwas gemächlicher geworden ist, testet sie gerne mal spielerisch unsere Geduld – da kommt man trocken ans Becken und geht klatschnass wieder weg. Raya gestaltet ihr Zuhause gerne eigenständig um und wirft auch mal Korallen um, die ihr nicht gefallen“, erzählt er.
„Raya ist gesund, munter und frisst gut“, freut sich der 23-Jährige, der seit fast einem Jahr im Zoo Rostock tätig ist. „Das weibliche Tier ist friedlich, zugleich clever und zeigt ein stabiles, altersgerechtes Verhalten“, sagt Funke. Die fast zwei Jahre alte Krake sorgt bei Zoobesuchern sowie dem Tierpflegeteam regelmäßig für Begeisterung.