Rostocks Oberbürgermeisterin Eva-Maria Kröger (Linke) hat mit einem Vorstoß zum Beamtenabbau bundesweit für Aufsehen gesorgt. Bis 2055 soll die Zahl der Verwaltungsbeamten in der Stadtverwaltung von derzeit 155 auf zehn sinken. Die Ankündigung stößt auch bei der Opposition auf Zustimmung.
Bundesweite Beachtung für Krögers Beamtenpläne
Die Zahlen 155 und zehn haben die Politikerin in dieser Woche überregional bekannt gemacht. Über ihre Pläne berichten unter anderem „Bild“, „Der Spiegel“ und „Die Welt“. Die FDP-Fraktion in der Rostocker Bürgerschaft begrüßt den Kurs ausdrücklich: „Dass ausgerechnet eine linke Oberbürgermeisterin angesichts der knappen Kassen den schlanken Staat entdeckt und das Beamtentum zurückfahren will, begrüßen wir ausdrücklich. Bei schlankeren Strukturen helfen wir gern“, heißt es von dort.
Dass ein solcher Vorstoß von links kommt, ist ungewöhnlich. Bei Kröger überrascht er allerdings wenig, wie ein Blick auf ihre bisherige Amtsführung zeigt.
Realismus in der Kurabgabe-Debatte
Bereits im Sommer bei der Diskussion um die Kurabgabe fiel die 44-Jährige durch Pragmatismus auf. Die Stadtverwaltung hatte unter ihrer Leitung eine neue Kurabgabesatzung erarbeitet, die den öffentlichen Personennahverkehr nicht mehr einberechnet, dafür aber eine rechtssichere Grundlage bietet. SPD, Grüne und Linke stimmten dagegen – Kröger blieb bei ihrem Kurs.
Die studierte EU- und Verwaltungsexpertin, die in Tübingen Vergleichende Regierungslehre studiert hat, zeigt damit eine Haltung, die an Helmut Schmidt erinnert: Sie hält an ihrer Linie fest, auch wenn die eigene Partei widerspricht.
Mögliche Perspektiven über Rostock hinaus
Rhetorisch ist Kröger den meisten Mitgliedern der Bürgerschaft deutlich überlegen. Auch das Verhältnis zu Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) gilt als gut. Ob eines Tages höhere Aufgaben warten, bleibt offen.
Beim Thema Antisemitismus zeigt Kröger zudem einen klaren Standpunkt. Antisemitismus sei ein „gesamtgesellschaftliches Problem“, sagte sie kürzlich unserer Redaktion. Diese Entwicklung müsse „sehr ernst“ genommen werden, so die Oberbürgermeisterin.