Die geplante Warnowbrücke im Rostocker Stadthafen wird teurer als geplant: Statt der bisher veranschlagten 63 Millionen Euro sollen die Kosten nun bei rund 88 Millionen Euro liegen. Der für diesen Herbst geplante Baubeginn ist auf unbestimmte Zeit verschoben worden. Die Rostocker Bürgerschaft kommt am 26. November zu einer Sondersitzung zusammen, die sich ausschließlich mit dem Prestigeprojekt beschäftigt.
Kostenexplosion und Zweifel an der Finanzierung
Die jüngste Kostensteigerung hat die Diskussion um die Sinnhaftigkeit des 540 Meter langen Bauwerks neu entfacht. Die AfD-Fraktion in der Rostocker Bürgerschaft hatte zuletzt Zweifel angemeldet. AfD-Mann Michael Meister befürchtet weitere Kostensteigerungen.
Die Stadtverwaltung hält dagegen am Brückenschlag fest. „Auf Grundlage der derzeit vorliegenden Erkenntnisse gibt es keinen konkreten Anhaltspunkt für eine weitere Kostensteigerung“, sagt Ute Fischer-Gäde (Grüne), Senatorin für Stadtplanung, Bau, Klimaschutz und Mobilität. Das vorliegende Angebot einer Bietergemeinschaft werde angesichts der Komplexität der Aufgabe als plausibel eingeschätzt. „Es enthält bereits einen Risikoaufschlag“, so die Senatorin weiter.
Stadtverwaltung sieht „städtebauliches Highlight“
Fischer-Gäde bezeichnet die Brücke als „städtebauliches Highlight“ – ganz anders als der Bund der Steuerzahler MV, der kürzlich gefordert hatte, das „Millionengrab Warnowbrücke endlich zu stoppen“. Die Senatorin verweist auf die Nutzerprognose: „Für den Fußverkehr liegt bereits eine aktualisierte Prognose von rund 1040 Personen täglich vor.“ Eine belastbare Prognose für den Radverkehr werde zum Jahresende erwartet.
Aktuelle Daten würden zeigen, dass der Radverkehr in Rostock weiter zunehme, während der Anteil der Wege mit dem Auto von 34 auf 27 Prozent gesunken sei. „Die Warnowbrücke ist dabei ein neuer und wichtiger Baustein für eine zukunfts- und leistungsfähige Verkehrsinfrastruktur in Rostock“, sagt Fischer-Gäde. Für Einwohner von Gehlsdorf ermögliche die Brücke eine staufreie, schnelle und ganzjährig verlässliche Erreichbarkeit der Innenstadt mit dem Fahrrad innerhalb von 15 Minuten.
Hoffnung auf Bundesförderung und Sondersitzung
Die Verwaltung hofft laut Stadtsprecher Ulrich Kunze auf eine Zusage des Bundes, dass die bisher zugesagte Förderung in Höhe von rund 37 Millionen Euro bestehen bleibe. Die Bürgerschaftsmitglieder müssen in der Sondersitzung am 26. November abwägen, was angesichts des defizitären Haushalts der Hansestadt noch möglich ist und ob sie weiter an dem spektakulären Bauwerk festhalten wollen.